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C. Tauzher: Die Pubertäterin: Was der Ibiza–Strache damit zu tun hat, dass die Teenagerin in die Politik will

Das Ibiza-Video von Österreichs ehemaligem Vizekanzler Strache schlägt auch in der Familie von Christiane Tauzher hohe Wellen. Die Teenagerin hat jede Menge Fragen zu Politikern und ihrem Verhalten. Und kommt am Ende auf eine überraschende Idee.

Junge Frau guckt erschreckt auf Bildschirm

Das kann doch alles nicht wahr sein!

Getty Images

Die Wombi saß gebannt vor den Videoausschnitten aus Ibiza, in denen Heinz–Christian Strache und Johann Gudenus eine unsichtbare Russin mit schmutzigen Zehennägeln niederredeten. Wir nahmen aus gegebenem Anlass den Fernsehapparat wieder in Betrieb, den wir in Zeiten von "Germanys next Topmodel" und diversen Talentshows trotz Protestgeschrei der Wombi außer Gefecht gesetzt hatten.

Die Ibiza–Sache, die seit Tagen Österreich erschüttert, war heiß genug, um den Apparat, der schon Staub angesetzt hatte, wieder anzuwerfen.

"Das ist nicht echt, oder?", fragte die Wombi, als wir ungläubig unserem Zu–diesem–Zeitpunkt–noch–Vizekanzler dabei zusahen, wie er zugedröhnt in einem dekolletierten Freizeit–Shirt "Zack–Zack–Zack–Geschäfte" mit einer falschen Millionärin machte. Herr Gudenus, "der Übersetzter", arbeitete mit Händen und Füßen, und die Wombi wollte zwischendurch wissen, "wer der Hampelmann" sei.

"Äh, ist das eigentlich normal", fragte sie, "sind das richtig echte Politiker?" Der Olaf räusperte sich, ich hüstelte. "Nein", sagte ich, "nicht normal. Keine echten Politiker." Die Wombi ließ nicht locker und wollte wissen, ob wir "die da" gewählt hätten. "Äh, nein", sagte ich, völlig perplex über die Frage. Die Wombi grinste – "und wer hat die dann gewählt?" Uns fiel konkret auf die Schnelle niemand ein. "Das ist echt arg", sagte sie und war zum Glück schon einen Gedanken weiter "der Strache hat doch auch große Kinder. Denkt irgendwer auch an die?" Wir, der Olaf und ich, nickten. "Wenn es so ein peinliches Video von euch geben würde, ich weiß nicht, was ich mit euch machen würde", dachte die Wombi laut nach. "Wie kann man weiterleben, wenn jeder auf der ganzen Welt gesehen hat, was für ein Trottel dein Vater ist." Wir, der Olaf und ich, nickten weiter. "Von uns gibt's solche Videos nicht", stellte der Olaf mal zur Sicherheit klar. "Ha", sagte die Wombi und zeigte mit dem Finger auf den Bildschirm, "jetzt raucht der Strache auch noch und liegt mehr als er sitzt." Ich wies darauf hin, dass Herr Strache nicht gewusst hatte, dass er bei alldem gefilmt werde. "Na, und?", sagte jetzt die Wombi, "das ist doch keine Entschuldigung." Ich pflichtete ihr bei und wiederholte, "nein, keine Entschuldigung."

"Gerade Du", schnaubte die Wombi, "du willst ja sogar, dass ich die Ellbogen vom Tisch nehme und mir vorm Trinken den Mund abwische, wenn ich ALLEIN in der Küche esse. Einmal hast du mir sogar damit gedroht, dass du eine Kamera installieren willst, um kontrollieren zu können, wie meine Tischmanieren sind." Der Olaf sah mich mit gerunzelter Stirn an. Ich konnte mich wirklich nicht daran erinnern, der Wombi mit Überwachung gedroht zu haben. "Schau", sagte ich versöhnlich, "es geht doch darum, dass die guten Manieren so selbstverständlich werden, dass zum Beispiel der Ellbogen eine innere Sperre hat, sich auf den Tisch zu stützen."

Der Olaf fand das "ein bisschen übertrieben".

"Ist der Gudenus nicht irgendwie adelig?", fragte jetzt die Wombi, "wieso ist er bei dieser peinlichen Aktion überhaupt dabei? Der hat als Kind sicher auch nicht den Ellbogen auf den Tisch geben dürfen. Dafür ballert er als Erwachsener mit der Hand in der Luft herum. Die guten Manieren sind also für nix." Jetzt nickte nur der Olaf.

"Kann eigentlich jeder Politiker werden?", fragte die Wombi weiter. Unsere Antwort schockierte sie.

"Kein Studium, keine Kurse, keine Eignungsprüfungen? Das ist ja das Allerärgste", fand sie, "warum ändert das keiner?"

Wir stimmten ihr zu, dass das arg sei. "Also", sagte die Wombi feierlich, "sollte ich einmal keinen normalen Beruf zusammenbringen, werde ich Politikerin. Aber ich verspreche euch hier und jetzt: Ein Video, auf dem ich die Ellbogen auf dem Tisch habe, wird es nie von mir geben."

Der ehemalige österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache spricht in einer Villa auf Ibiza mit der angeblichen Nichte eines russischen Oligarchen über Parteispenden, die Übernahme der Kronen Zeitung und die Vergabe von Staatsaufträgen.

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