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Kinderhilfswerk Arche-Mitarbeiter warnen: Digitaler Unterricht hängt Kinder aus finanziell schwachen Familien ab

Ein kleines Mädchen sitzt zuhause über Schulbüchern
Manche Kinder bekommen zuhause wenig Hilfe beim Homeschooling (Symbolbild)
© Olia Danilevich / Pexels
Wenn zuhause die technischen Geräte fehlen, Eltern arbeiten müssen oder kaum Deutsch sprechen – dann wird Homeschooling für Kinder aus ärmeren Familien zu einem großen Problem. Ein Mitarbeiter der Arche schlägt Alarm.

Die Arche ist ein christliches Kinderhilfswerk mit Einrichtungen in zahlreichen deutschen Städten, darunter Berlin, Frankfurt und Hamburg. Hier kümmert man sich seit Jahrzehnten um Kinder aus finanziell schwachen Familien, bietet Hausaufgabenhilfe, Mahlzeiten und Betreuungsangebote. Jetzt, wo wegen des Lockdowns der klassische Schulunterricht wegfällt und die Kinder zuhause lernen, sind die Arche-Mitarbeiter besorgt.

"Die Folgen des Lockdowns sind fatal", befürchtet der Hamburger Projektleiter Tobias Lucht. Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr seien durch die Schulschließungen die Defizite bei vielen Kindern so groß gewesen, dass sie kaum mehr aufgeholt werden konnten.  Er hoffe daher, dass die Schulen bald wieder Präsenzunterricht anbieten können – in welcher Form auch immer.

Kinder müssen Fragen stellen können

"Unterricht auf Distanz über mehrere Monate funktioniert nicht", sagte Lucht. Zumindest dann nicht, wenn es Eltern nicht möglich ist, beim Homeschooling zu helfen. "Kinder brauchen die physische Anwesenheit eines Erwachsenen, der sie ermutigt und dem sie auch Fragen stellen können". Dabei würden auch der Leistungsstand der Kinder und das Alter eine wichtige Rolle spielen. "Für viele Kinder sind ihre Lehrer oft die einzigen Bezugspersonen", so der Pädagoge. 

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"Wir hören bereits von Lehrern, die manche Kinder aufgegeben haben", wird Lucht in der "Hamburger Morgenpost" zitiert. Zahlreiche Viertklässler würden im Sommer auf weiterführende Schulen wechseln, ohne richtig lesen und schreiben zu können. "Viele Familien, die wir betreuen, leben mit fünf oder sechs Kindern in einer Drei-Zimmer-Wohnung", sagt der 41-Jährige. „Da gibt es nicht für jedes Kind einen Raum zum Lernen oder ein digitales Endgerät." Zudem gebe es in vielen Familien zusätzlich Sprachschwierigkeiten.

wt DPA

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