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Seltenes Phänomen Frau wird schwanger, obwohl sie bereits ein Baby in sich trägt

Eine Hand zeigt einen positiven Schwangerschaftstest
Schwanger, obwohl man schon schwanger ist? Das Phänomen nennt sich Superfötation (Symbolbild)
© Patrick Daxenbichler / Picture Alliance
Nachdem die Britin Rebecca Roberts über ein Jahr lang mit Unfruchtbarkeit zu kämpfen hatte, schlägt bei ihr die Ironie des Schicksals zu: Während sie bereits mit einem Baby schwanger ist, empfängt sie drei Wochen später ein weiteres – und bringt daraufhin Zwillinge zur Welt.

Die 39-jährige Rebecca Roberts und ihr Lebensgefährte Rhys Weaver wünschen sich ein Baby. Über ein Jahr lang probieren sie schwanger zu werden, ohne Erfolg. Als Roberts dann endlich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hält, kann sie ihr Glück kaum fassen. Bis zu ihrem ersten Ultraschall beim Frauenarzt wagt die Britin es jedoch nicht, die frohe Botschaft wirklich zu glauben: "Ich erinnere mich, dass ich nach dem ersten Scan so glücklich war", sagt Roberts der "Washington Post".

Doch wenige Wochen später verwandelt sich das anfängliche Glück in einen handfesten Schock. "Ich dachte, es sei etwas Schreckliches passiert", erinnert sich Roberts, als sich ihr Gynäkologe bei ihrem nächsten Ultraschalltermin plötzlich nicht erklären kann, was er dort auf dem Bildschirm sieht – denn seit ihrem letzten Arztbesuch ist etwas Außergewöhnliches passiert: Der Arzt entdeckt zwei Föten in ihrem Bauch, von denen aber einer deutlich weniger entwickelt zu sein scheint als der andere – eine Superfötation.

Ein ungewöhnliches Zwillingspaar 

Eine Superfötation ist ein höchst seltenes Phänomen, bei dem eine Frau, die bereits schwanger ist, ein weiteres Kind empfängt. Im Fall von Rebecca Roberts etwa liegen drei Wochen zwischen den beiden Empfängniszeitpunkten ihrer Kinder. Eine Superfötation kommt dabei so selten vor, dass ihr Gynäkologe David Walker anfangs Schwierigkeiten hatte, sie zu diagnostizieren. "So etwas kommt einfach nicht vor", sagt Walker der "Washington Post". Ein derart besonderes Zwillingspaar habe er während seiner 25 jährigen Laufbahn als Frauenmediziner nicht erlebt. 

Tatsächlich gibt es keine verlässlichen wissenschaftlichen Zahlen zur Häufigkeit von Superfötationen. In einem Bericht von 2008, veröffentlicht im "European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology", waren zu diesem Zeitpunkt lediglich acht Fälle weltweit erfasst. Normalerweise verhindern hormonelle und körperliche Veränderungen während der Schwangerschaft eine weitere Empfängnis, doch bei Rebecca war es anders: "Anstatt den Eisprung zu stoppen, gab sie etwa drei oder vier Wochen nach dem ersten ein weiteres Ei frei, und das Ei hat es irgendwie auf wundersame Weise geschafft, sich zu befruchten und in ihrer Gebärmutter einzunisten", erklärt Gynäkologe Walker. Zwar habe sie vor der Schwangerschaft furchtbarkeitssteigernde Medikamente eingenommen, die auch dafür bekannt seien, die Wahrscheinlichkeit für Mehrlingsgeburten zu erhöhen, Superfötationen stünden jedoch in keinem Zusammenhang mit diesen Medikamenten, sagt Walker. Eine Erklärung für Rebeccas Doppelempfängnis im Abstand von drei Wochen hat er nicht.

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Auch die werdenden Eltern sahen sich vor Rätsel gestellt. Ihr erster Impuls, das Phänomen Superfötation zu googlen, um besser zu verstehen, was mit Rebecca passieren würde, brachte sie nicht weit. "Es gibt sehr wenig Informationen, weil das nicht passieren sollte", sagt Rebeccas Partner Rhys Weaver der "Washington Post". Trotzdem gewöhnen sich die beiden und Rebeccas 15-jährige Tochter schnell an den außergewöhnlichen Gedanken und freuen sich auf den Familienzuwachs. Doch Rebeccas Alter, ihre Superfötation in Kombination mit einer Zwillingsschwangerschaft führen zu Komplikationen im dritten Trimester: Das Paar wird vorgewarnt, dass das jüngere und dadurch deutlich kleinere Baby nicht überleben könnte. "Alles, was bei einer Schwangerschaft schiefgehen kann, ist bei Zwillingsschwangerschaften häufiger der Fall. Aber bei einem Unterschied von drei Wochen will man den kleineren Zwilling nicht gefährden, indem man ihn zu früh entbindet. Man muss wirklich genau hinschauen", erklärt Walker. Im Fall von vorzeitigen Wehen könnte es sein, dass der jüngere Zwilling noch nicht weit genug entwickelt sei.

"Wunder können geschehen"

Rebecca und die Zwillinge schaffen es gemeinsam bis in die 33. Schwangerschaftswoche. Dann treten plötzlich Probleme mit der Nabelschnur des kleineren Babys auf, wodurch sein Wachstum beeinträchtigt wird. Die Ärzte entscheiden, dass es Zeit zum Handeln ist: Am 17. September 2020 werden beide Babys per Kaiserschnitt geboren. Noah ist der ältere und größere Zwilling mit knapp 1860 Gramm, seine zwei Minuten jüngere Schwester Rosalie bringt knapp 1220 Gramm auf die Waage. Nach einem Aufenthalt auf der Neugeborenenintensivstation darf Noah nach drei Wochen nach Hause kommen, seine kleine Schwester muss 95 Tage bleiben.

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Mittlerweile sind beide Kinder zu Hause und haben eine für Zwillinge so typische starke Bindung zueinander aufgebaut: "Wenn wir sie nebeneinander auf die Spielmatte legen, schauen sie sich an, strecken ihre Hände aus und berühren sich, und sie sprechen auch miteinander", sagt Roberts. "Es ist so schön, das zu beobachten." Auf Instagram teilt die kleine Familie ihre aufregende Reise von der ersten Stunde bis in die Gegenwart: "Wir wollen, dass die Menschen weiterhin zusehen können, wie sie aufwachsen", sagt Roberts. "Wunder können geschehen, und meine Kinder sind der Beweis dafür."

Quellen: "Washington Post" / Instagram 

as

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