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Zum Tod von Jesper Juul: Danke, Jesper Juul, dass Sie sich für Kinder so stark gemacht haben!

Jesper Juul hat mit seiner Arbeit und seinen Büchern einen unschätzbaren Beitrag zum Thema Erziehung geliefert. Am Mittwochabend ist der dänische Familientherapeut verstorben, doch er wird von vielen Generationen nicht vergessen werden.

Jesper Juul

Jesper Juul im Jahr 2005

DPA

Die meisten Menschen, die vor 1960 eine Familie gegründet haben, haben ihre Kinder so erzogen, wie sie es für richtig hielten. Sie haben versucht, ihre Vorstellungen von Moral und Werten an ihre Kinder weiterzugeben, sie haben verboten und erlaubt, was sie für falsch oder richtig hielten. Im Streitfall hatten sie das Machtwort, "weil ich es sage". Es wurde wenig diskutiert, verhandelt oder abgewogen, es wurde eher bestimmt. Eltern waren Judikative, Legislative und leider oft auch Exekutive. Kinder mussten gehorchen und liefen ansonsten irgendwie mit im Familienalltag. Dazu, dass sich daran etwas geändert hat, hat Jesper Juul maßgeblich beigetragen.

Der dänische Familientherapeut und Autor zahlloser Erziehungsratgeber ist am 25. Juli 2019 im Alter von 71 Jahren verstorben. Das von ihm 2004 gegründete Elternberatungsprojekt FamilyLab International verbreitete die Nachricht am selben Abend.

Rechte und Wertschätzung für Kinder

Jesper Juul hat sich für Kinder stark gemacht. Weder autoritäre noch antiautoritäre Erziehung hielt er für den richtigen Weg, sondern die Auseinandersetzung mit dem Kind als vollwertigem Menschen. Der Dialog war für ihn der Schlüssel zu einer guten Beziehung, die Kommunikation der Eltern untereinander sah er als Vorbildfunktion, die zu einer Richtschnur für Kinder wird. Respekt und Gleichwertigkeit gelten für jedes Familienmitglied, egal wie alt es ist. Jesper Juul nennt das "Gleichwürdigkeit". Damit bleibt die Verantwortung bei den Eltern und wird nicht, wie in der oft falsch verstandenen, aber auch antiautoritäre Erziehung genannten Pädagogik, an das Kind abgegeben. Die radikale Abkehr von der Prügelstrafe interpretierten Eltern in den 1970er Jahren oft so, dass sie ihren Kindern komplette Narrenfreiheit gewährten.

Jesper Juul hat sich dafür eingesetzt, dass Kinder gesehen werden. Dass Eltern Erziehung auch als Wechselspiel betrachten, in dem sie sehr wohl von ihren Kindern lernen. Was nicht heißt, dass sie ihre Elternrolle abgeben, sondern dass sie nachfragen, aufmerksam sind und auch klar Nein sagen können. Aber eben nicht willkürlich. Wenn Kinder in ihren Bedürfnissen ernst genommen werden, wenn Eltern ihr Verhalten oder Entscheidungen erklären, entsteht eine Beziehung statt einer hierarchischen Erziehung. "Aus Erziehung wird Beziehung. Authentische Eltern – kompetente Kinder" heißt auch einer der Titel von Jesper Juuls Büchern.

Unter solchen Maximen möchte man durchaus selbst noch einmal Kind sein. Danke, Jesper Juul.

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