HOME

Bayern: Kindergarten verbietet, Geburtstagskuchen von zu Hause mitzubringen – aus Hygienegründen

Wer Geburtstag hat, gibt einen Kuchen aus, das gilt vom Kindergarten über die Schule bis ins Berufsleben. Doch im bayrischen Bissingen verbietet ein Kindergarten seit September diese Tradition. Nicht alle Eltern wollen das akzeptieren.

Drei Kinder mit Partyhütchen gucken genervt

Kindergeburtstag ohne Kuchen? Na, besten Dank!

Getty Images

Ein Gugelhupf mit Schokoglasur, Smarties und Kerzen, deren Anzahl zeigen, wie alt das Geburtstagskind wird – so oder so ähnlich wird ein Kindergeburtstag gefeiert. Zu Hause, in der Schule, in der Kita und im Job. Aber nicht mehr in einem Kindergarten in Dillingen, denn dort gab es Bedenken. Von besorgten Eltern. Nicht etwa wegen Nussallergien, Glutenunverträglichkeiten oder zu viel Zucker, nein, da sind ja alle informiert und der professionelle Umgang mit den betroffenen Kindern ist gewährleistet. In Dillingen geht die Sorge tiefer. Dort fragt man sich, wie sauber es wohl in der ein oder anderen Küche zugeht und will sein Kind nicht der Gefahr aussetzen, etwas zu verspeisen, was man selbst zu Hause niemals zugelassen hätte. Als Eltern hat man da ja überhaupt keine Kontrolle, das geht ja wohl nicht.

"Es sind Eltern auf uns zugekommen, dass sie Bedenken aufgrund von Hygienevorschriften haben. Wenn es Sorgen gibt, dann gehen wir darauf natürlich ein", zitiert die "Augsburger Allgemeine" Kindergartenleiterin Bettina Konrad. Denn Konrad hatte einen Brief an ihre Elternschaft verschickt, dessen Inhalt seit September wirksam ist. Tenor: Bitte bringen Sie zu den Geburtstagen ihrer Kinder künftig keine Speisen wie Kuchen, Brezen oder Ähnliches mehr mit. Grundlage: eine "ausdrückliche Empfehlung des Gesundheitsamtes".

Kein Geburtstagskuchen: Nicht alle Eltern zeigen Verständnis

Dass Eltern versuchen, ihre Kinder vor Gefahren zu schützen, ist ihre Pflicht und ihre Aufgabe. Fahrradfahren nur mit Helm, Rollschuhlaufen nur mit Schützern an Knien, Ellbogen und Händen, Schwimmengehen nur mit UV-Schutz 50+. Es gibt schließlich viel mehr Verkehr als früher und wir wissen inzwischen, dass zu viel Sonne schädlich ist für unsere Haut. Aber was ist falsch am Geburtstagskuchen?

Das hat sich auch ein Vater des Kindergartens gefragt, der sich gewundert hat, dass seine Tochter keinen Kuchen mitbringen darf. Jochen Konrad diskutierte das Thema mit anderen Vätern per Whatsapp und man war sich einig, dass dies ein Thema von größerem Interesse ist, berichtet die "Augsburger Allgemeine". Inzwischen existieren private Listen, auf denen Unterschriften gegen eine solche Verordnung gesammelt werden, sowie ein Aufruf auf der Facebook-Seite "Bürger wählen Bürger – für ALLE Kesseltaler". Doch dort ist die Resonanz noch gering.

Im Kindergarten Bissingen dürfen die Kinder ab September an ihren Geburtstagen nichts mehr für Ihre Freunde im...

Gepostet von Bürger wählen Bürger - für ALLE Kesseltaler am Donnerstag, 5. September 2019

Nach Recherchen der "Augsburger Allgemeinen" ist das Verbot, Speisen in den Kindergarten mitzubringen, in der Region kein Einzelfall. "Am Ende ist die Leitung der Einrichtung für das Wohlergehen der Kinder verantwortlich. Daher ist nur ratsam, mit Speisen von außen sehr vorsichtig umzugehen", zitiert das Blatt die Stadtverwaltung Neu-Ulm. Dort wird allerdings weniger an den hygienischen Verhältnissen in den Haushalten gezweifelt, sondern auf schwer kontrollierbare Risiken – etwa einzelne Allergien – hingewiesen.

Im Kreis Dillingen, zu dem auch Bissingen gehört, beruft sich die Leiterin des Gesundheitsamtes auf Gesetze. Das Infektionsschutzgesetz mache klare Vorgaben bezüglich der Hygienevorschriften für die gewerbliche Verpflegung in Einrichtungen wie Kindergärten, zitiert sie die "Augsburger Allgemeine". Und sollte jemand ehrenamtlich für das leibliche Wohl der Kinder zuständig sein, gebe es einen "Leitfaden für den sicheren Umgang mit Lebensmitteln", den das bayerische Umwelt- sowie das Gesundheitsministerium herausgegeben haben.

Sauber, Bayern!

Quelle: "Augsburger Allgemeine"vom 10.9.2019, "Augsburger Allgemeine" vom 9.9.2019

Wissenscommunity