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Negativpreis: Mädchen in rosa, Jungs in blau: Wie Geschlechterklischees Kinder beeinflussen

Gibt es keine dringlicheren Probleme? Das bekommen Kritiker pinkfarbener Mädchen-Sachen öfters zu hören. Jetzt soll ein Negativpreis aufklären über die Folgen der Rosa-Hellblau-Welt.

Mädchen in rosa, Jungen in blau: Gender-Marketing

Mädchen in rosa, Jungen in blau: Gender-Marketing

Auf den Covern der beiden Leselern-Bücher für kleine Kinder schillern zwei unterschiedliche Welten. Einmal eine Prinzessin im rosa Kleid, umringt von einer Kuh, einem Pony und einem rosa Handrührgerät. Einmal ein Polizist, ein Pirat und ein Raumschiff mit einem Außerirdischen. Wer es noch nicht ahnt: Eines der Bücher ist für Mädchen gedacht, das andere für Jungen.

Eine Gruppe um die Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg hat diese beiden Titel am Freitagabend mit dem ersten "Goldenen Zaunpfahl"
ausgezeichnet. Es ist ein Negativpreis für Produkte und Kampagnen, die mit Geschlechterklischees werben.

Nominiert waren neben den Büchern auch Überraschungseier speziell für Mädchen, ein rosafarbener Globus und eine Werbung für eine Spielzeugküche, die ein Mädchen am Herd zeigt, während ein Junge abseits lässig telefoniert. Zudem ein Werbespot für Folgemilch, in dem Zukunftsvisionen für Babys so aussehen: Das Mädchen wird Ballerina, der Junge Astronaut. Die Initiatoren hatten im Internet rund 50 Beispiele gesammelt.

Gurken in rosa

Unisex-Produkte gehören in vielen Branchen schon länger der Vergangenheit an, beobachtet Petra Lucht aus der siebenköpfigen Jury. Mit teils kuriosen Blüten: Gurkengläser mit rosa Etikett für Frauen oder Frauen-Gartenschuppen ("She-Sheds"). Die Abteilungen für Mädchen und Jungs in Kaufhäusern ähneln oft unterschiedlichen Planeten.


Kinder müssen entscheiden: rosa Einhörner oder Superhelden? Nicht gerade Wahlfreiheit, findet Lucht. Stattdessen würden überholt geglaubte Rollenklischees zementiert.

Die Physikerin und Soziologin vom Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (TU Berlin) sieht negative Folgen vor allem für die Persönlichkeitsentwicklung und Leistung von Kindern. "Geschlechterstereotype tragen zu gesellschaftlichen Normen bei", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Es sei "schwer bis unmöglich" jenseits dieser Normen Anerkennung zu erfahren.

Unterschwellige Botschaft?

"Das Bewusstsein für die Problematik ist bei Unternehmen noch gar nicht durchgedrungen", glaubt die Mit-Initiatorin des Preises, Almut Schnerring. Sie trug 2014 mit ihrem Mann Sascha Verlan in dem Buch "Die Rosa-Hellblau-Falle" Studien zum Thema zusammen. Etwa über die Wirkung unterschwelliger Bilder und Botschaften als psychische Bremse. Zum Beispiel bei Frauen, die in Berufen arbeiten wollen, die als typisch männlich gelten. Ziel sei es nicht, sich mit dem Preis über Firmen lustig zu machen, betont die Autorin. "Wir wollen informieren."

Domscheit-Berg richtet am Ende ernste Worte an ihr überwiegend junges Publikum. Sie sagt, sie sehe gesellschaftliche Probleme wie Essstörungen, häusliche Gewalt und die unterschiedlichen Verdienstmöglichkeiten von Männern und Frauen als Folgen der Werbe- und Produktwelt.

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Unverständnis der Hersteller

Und die Hersteller? Erwartungsgemäß ist keiner der Nominierten zur Preisverleihung gekommen. Zwei Firmen äußern auf dpa-Anfrage größtenteils Unverständnis für die Kritik. Der Folgemilch-Hersteller teilt mit, die Marke stehe für "ein modernes Rollen- und Familienverständnis". Der Globen-Hersteller erklärt, womöglich werde Geografie für Mädchen durch die Farbe ja schmackhafter. Vom Klett-Verlag mit den nun prämiierten Büchern: keine Antwort. Das Preisteam will den Zaunpfahl vorbeibringen.


"Ich erwarte, dass sich die Unternehmen mit den negativen Effekten der mit Gendermarketing beworbenen Produkte befassen - insbesondere dann, wenn es sich um Produkte für Kinder handelt", betont Wissenschaftlerin Lucht. Sie sieht hinter den Produktlinien ohnehin im Kern ein Streben nach mehr Absatz. Spielzeug oder Kleidung würden so eher neu angeschafft denn unter Geschwistern weitergegeben. Sie appelliert auch an Konsumenten, bewusstere Kaufentscheidungen zu treffen.

Der Globen-Hersteller hilft dabei inzwischen mit. Im Online-Shop wurde der Hinweis ergänzt: "Gern dürfen Sie diese Farbvariante auch für Ihren Sohn erwerben oder die blaue Variante für Ihre Tochter." 

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kg / DPA

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.