VG-Wort Pixel

Daddylicious Optimus Prime vs. Prinzessin Lillifee? Genderscheiße!

Daddylicious: Optimus Prime vs. Prinzessin Lillifee? Genderscheiße!
Für Marc Bourichter liegt es auf der Hand, warum Actionfiguren kein Prinzessinnenkleid tragen: Seinen Väter-Blog lesen schließlich auch Frauen! Statt Gender- will er eine Ausgrenzungsdebatte.

Jürgen von der Lippe wurde kürzlich nach seiner Meinung zur Frauenquote gefragt. "Genderscheiße" war seine Antwort. Auch wir werden oft gefragt, warum wir Kinderspielzeug genderspezifisch behandeln. Wenn wir über den Schwerlastkran von Lego Technic schreiben, dann handelt es sich schon aus zwei Gründen um ein Thema für Menschen mit einem X- und einem Y-Chromosom: fünf Achsen und ein detailgetreuer V8-Motor. Und wieso müssen wir uns erklären, wenn wir ein Kinderfahrrad empfehlen, welches sich in der Bauweise (anderer Rahmen) und dem Design (Farbe, Zubehör) an jeweils ein Geschlecht richtet? Gegenfrage: Warum gibt es keine Match Attacks mit Polly Pockets? Oder eine Transformer-Actionfigur im Prinzessinnenkleid? Lassen wir das. Wichtiger ist doch die Frage des sozialen Drucks, wenn des Kindes Lieblingsspielzeug nicht der Geschlechterrolle entspricht.

Nieder mit der Ungerechtigkeit im aktuellen Playmobil-Katalog! Da werden doch tatsächlich Produkte genderspezifisch getrennt! Drachen, Piraten, Polizisten, Feuerwehrmänner und Ritter duellieren sich auf blauen Seiten mit den Prinzessinnen, Erzieherinnen, Veterinärmedizinerinnen und Einhörner der anderen, rosafarbenen Hälfte des Plastikspielzeug-Almanachs um die Gunst der Leserschaft. So ziemlich alle Kataloge, Leporellos, Webseiten oder Verpackungen der Hersteller oder des Handels arbeiten mit genderspezifischen Bildwelten. Schützen, bergen, kämpfen vs. pflegen, behüten, beschützen. Wir Erwachsenen wissen: Jede Eingrenzung bedeutet Ausgrenzung. Derjenigen, die sich nicht in der beschriebenen Welt wiederfinden. Sie fallen auf und werden in der Regel ausgegrenzt. Jungs, die mit Puppen spielen oder Mädels, die an der Carrerabahn auf der Ideallinie punkten.

Es gibt sie, die Jeanne d’Arcs, die sich gegen die limitierende Geschlechterrolle auflehnen: PinkStinks, Kotzendes Einhorn oder Let Toys be Toys. Und es gibt einige vereinzelte Katalog-Hersteller, die mehr schlecht als recht versuchen, dieser Geschlechtertrennung etwas entgegenzusetzen. Sorry, aber ein Spiderman am Puppenwagen in einem Meer von Rosa reicht da nicht aus.

Wie so eine Ausgrenzung aussehen kann, zeigt das Theaterstück "David und sein rosa Pony". Die Idee zu diesem pädagogischen Theaterstück für Grundschüler entstand nach einem Selbstmordversuch eines Jungen, der aufgrund seiner Liebe zum Mädchenspielzeug "My little Pony" dem Druck seines Umfeldes nicht mehr standhalten konnte.

Die Spielzeugindustrie ist ja nur der Anfang. Wo Kinderspielzeug aufhört, fängt die Mode-Industrie an. Endlich sind sie erwachsen, die kleinen Dinger! Jetzt können wir die "Brand" in die Gehirne einbrennen. Wehe, ihr stellt Euch nicht in die Schlange der konsumfreudigen Kids der Mittelschicht. Ein Teufelskreis.

Das Thema ist schwierig. Auch ich habe zuerst gedacht, diese Diskussion ähnelt vielen „Sommerloch“-Debatten um Themen, die nicht diskussionswürdig sind. Wieso sollte Spielzeug, das ganz offensichtlich für Jungen konzipiert wurde, nicht auch genau so vermarktet werden? Und wenn es dann Mädchen gibt, die sich für mittelalterliche Schlachten, Sternenkriege oder Pumpguns mit Schaumstoff-Patronen interessieren, dann lasst sie doch spielen. Und umgekehrt Jungs, die sich gerne mit einer Puppe beschäftigen. Oder mit Hanni & Nanni, Bibi & Tina und wie sie alle heißen. Darüber hinaus habe ich mich gefragt, wie sehr ich in meiner Rolle als Vater zu dieser geschlechterspezifischen Trennung beitrage. Nach rund 50 Matchbox- oder Hot-Wheels-Autos, einer Eisenbahn, diversen Nutzfahrzeugen der Agrarwirtschaft und einer Feuerwehrauto-Sammlung, bei der jeder Leiter einer Feuerwache blass werden würde, kann ich sagen: ertappt. Und die Omas und Opas tun das selbige. Auch im Bereich der Kinderbücher finden sich kaum Themen, die geschlechterunspezifisch sind. Wir treiben unsere Kinder in die Genderfalle.

Die Frage ist: Was ist so schlimm daran? Vor 35 Jahren hat sich doch auch niemand wirklich um dieses Thema geschert. Doch damals gab es eine klare Rollenverteilung. Das Thema Gleichberechtigung war ein sehr zartes Pflänzchen. Mittlerweile sorgt sogar der Gesetzgeber für eine Vermischung der Geschlechter in den Führungsetagen großer Konzerne. Männerdomänen wie Ingenieurberufe erfreuen sich bei Frauen zunehmender Beliebtheit. Es gibt Lego für Männer. Und es gibt Frauen, die Lego für Männer bevorzugen. Und vielleicht später Ingenieurin werden. Warum die Politik das jetzt regulieren will, bleibt sicherlich zu kritisch zu hinterfragen.

Aber alles jetzt genderspezifisch zu hinterfragen, kann auch keine Lösung sein. Es gibt eben Weggefährten und Spielzeug, die sich an eine (genderspezifische) Zielgruppe richten. Vielleicht ist eine Sensibilisierung der richtige Weg. Und da ist die Spielwarenindustrie gefragt, offenere Bildwelten zu schaffen, die nicht ein- bzw. ausgrenzen. Das kann doch aus wirtschaftlicher Sicht gar nicht verkehrt sein.

Bob den Baumeister als kleinen Genderteufel zu verurteilen, halte ich für vermessen. Die Rollenverteilung der Familie Siebenschläfer dagegen trägt zu einer Sensibilisierung auf jeden Fall nicht bei. Fakt ist: Kinder können die Botschaften nicht kanalisieren. Nach Wahrheit oder Lüge. Sie lassen sich manipulieren. Jeden Tag. Und das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen. Feuerwehrmann oder Fee. Beides hat unabhängig von jedem Geschlecht seine Vorteile.

Die Wissenschaft befasst sich mit diesem Thema sehr intensiv. Wir werden das Thema sicherlich noch mal etwas genauer beleuchten.

Wir sind ein Online-Magazin für Väter und haben eine nicht zu verachtende Anzahl weiblicher Leser. Warum? Weil viele Themen jenseits der Geschlechterrolle relevant sind. Vielleicht wollen die Mütter auch einfach wissen, wie die Väter so ticken. Aber wir grenzen auch nicht aus. Dann wären wir ja schön blöd. Macht DMAX ja auch nicht. Auch ich lese mal die "Bunte" im Wartezimmer meines Hausarztes. Oder Mami-Blogs, wenn sie gut sind. Es könnte unsere Aufgabe als Eltern sein, die Kinder so früh wie möglich dafür zu sensibilisieren. Was meint ihr?


Wissenscommunity


Newsticker