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Serie: Rabenmütter, Rabenväter: Hilfe - mein Kind ist iPad-süchtig

Unterhaltungsmedien sind eine tolle Sache. Besonders iPads - die können sogar kleine Kinder bedienen. Schwieriger wird es, sie davon wieder loszureißen.

Von Carsten Heidböhmer

Der Begriff "Digital Native" geistert schon seit einigen Jahren durch Zeitungen und Magazine. Doch was es damit auf sich hat, das habe ich so richtig erst vor ein paar Monaten verstanden. Ich wurde morgens früh wach - und sah meine 20 Monate alte Tochter Casseiopeia, wie sie sich fröhlich mit unserem iPad beschäftigte. Seither ist mir auch klar, woher dieser ganzen Kult um Steve Jobs und das Gerede vom iGod kommt. Dieser Mann ist wirklich genial! Er hat ein technologisch ausgereiftes Produkt geschaffen, das kinderleicht zu bedienen ist.

Seit diesem Morgen habe ich mich schon daran gewöhnt, dass ich wach werde und Casseiopeia konzentriert über dem iPad sitzt. Meist stöbert sie im Bilderordner - am liebsten mag sie Babyfotos von sich selbst. Daneben probiert sie aber auch alle möglichen anderen Programme aus: Sie öffnet den Browser. Schaut in den Mailordner. Und durch wildes Rumgedrücke hat sie es sogar schon zwei Mal geschafft, einen Tweet abzusetzen. Im Namen meiner Frau, die von ihren Followern wegen dieses Gestammels inzwischen vermutlich für irre gehalten wird.

Morgens sind wir schwach

Weil uns Casseiopeias Liebe zum iPad morgens länger schlafen lässt, gönnen wir ihr diesen Spaß. Wir wissen natürlich, dass man gerade bei kleinen Kindern den Medienkonsum dosieren sollte, aber morgens um sechs wird man in seinen Erziehungsprinzipien erstaunlich flexibel.

Leider beschränkte sich die mit dem Tablet verbrachte Zeit irgendwann nicht mehr auf den frühen Morgen. Casseiopeia verdrückte sich irgendwann auffallend oft. Sie stand frühzeitig vom Esstisch auf - um mit ihrer Puppe zu spielen, dachten wir. Hatten wir Gäste, verließ sie das Wohnzimmer - ist ihr alles zu viel Trubel, war unsere Vermutung. Selbst das "Sandmännchen" verschmähte sie - braves Kind, so unser naiver Glaube.

Der hohe Preis der Erziehung

Doch schon bald kamen wir hinter das Geheimnis ihres ständigen Verschwindens: Sie saß in unserem Ehebett, das iPad auf den Beinen, und tippte munter darauf herum. Spätestens da wurde uns klar: Wir müssen einschreiten! Das iPad lagern wir nun auf einem für die Kinder nicht erreichbaren Schrank. "iPad leef" - "das iPad schläft", erklärt sich Casseiopeia seine Unsichtbarkeit. Wir allerdings schlafen seither leider wieder weniger.

stern.de-Redakteur Carsten Heidböhmer hat zwei Kinder, 2 und 6, die hier Casseiopeia und Iphigenie genannt werden, in Wirklichkeit natürlich anders heißen.

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