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Studie übers Kinderkriegen: Elternwerden macht unglücklicher als der Tod des Partners

In einer Studie haben Wissenschaftler nach dem Grund gesucht, warum deutsche Eltern nur ein Kind bekommen, obwohl sie ursprünglich zwei wollten. Ihre Antwort ist erschreckend.

Von Susanne Baller

Mutter und Baby

Der Einschnitt ins Leben, den das erste Kind bedeutet, macht manche Eltern erstaunlich unglücklich. Laut der Studie von Margolis und Myrskylä so unglücklich, dass sie kein zweites Kind bekommen.

In einer ausführlichen Studie haben zwei Wissenschaftler untersucht, wie sich Eltern fühlen, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. Ganz konkret gingen sie dem Mysterium nach, warum die Deutschen sagen, sie hätten gern zwei, statistisch dann aber doch nur 1,5 Kinder bekommen. Anfang August haben die Soziologin Rachel Margolis und der Demograf Mikko Myrskylä ihre Ergebnisse unter dem Titel "Parental Well-being Surrounding First Birth as a Determinant of Further Parity Progression" in dem Journal "Demography" veröffentlicht.

Vor dem ersten Kind besteht eine gewisse Unsicherheit, wie Schwangerschaft und Kindererziehung sich anfühlen werden, so die Wissenschaftler. Das ändert sich, sobald das Kind da ist. Warum die beiden sich ausgerechnet Deutschland vorgeknöpft haben, begründen sie damit, dass Deutschland sowohl das größte Land Europas sei als auch das einzige Land, das über ausreichend repräsentative Daten verfüge, um ihre Hypothese zu überprüfen: das Nachlassen des Wohlbefindens nach der Geburt des ersten Kindes. Forschung zum Elternglück gibt es kaum, da negative Gefühle im Zusammenleben mit Kind noch immer ein Tabuthema sind. 

Schlafmangel, Freiheitsverlust und Streit

Für die Daten von Paaren griffen Margolis und Myrskylä auf das sogenannte  Sozio-oekonomische Panel zurück, das sind Langzeitstudien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Jährlich werden 11.000 Haushalte und mehr als 20.000 Personen befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Leben seien. Die Antwortmöglichkeiten rangieren zwischen 0 (total unzufrieden) und 10 (komplett zufrieden). Die Wissenschaftler interessierten sich dabei für diejenigen Befragten, die in der Übergangszeit zur Elternschaft waren: drei Jahre vor bis zwei Jahre nach der Geburt des ersten Kindes.

"Generell beklagen junge Eltern zunächst häufig Schlafmangel, Schwierigkeiten in der Partnerschaft und den Verlust von Freiheit und Kontrolle über ihr Leben", sagt Mikko Myrskylä der Max-Planck-Gesellschaft. Doch das gesamte Ergebnis der Studie ist krass: Über ein Drittel empfindet ein Minus von zwei oder mehr Glückseinheiten. Durch Arbeitslosigkeit oder den Tod des Partners geht die Zufriedenheit gemäß internationaler Studien im Mittel nur um etwa eine Einheit zurück, durch Scheidung sogar nur um 0,6. 

Der Glücksverlust

Durchschnittliche Veränderung des Wohlbefindens auf einer Skala von 0 (unglücklich) bis 10 (total zufrieden).


Von hundert Eltern, die ein Minus von drei oder mehr Glückseinheiten beschrieben, bekamen nur 58 innerhalb eines Jahrzehnts ein zweites Kind, so die Studie. 

Wir würden sagen: immerhin noch! Und finden den Vergleich von Glückseinheiten unterschiedlicher Menschen bei verschiedenen Lebensereignissen ziemlich schräg.

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