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World Vision Kinderstudie Deutschland gibt armen Kindern keine Chance


Kinder im Grundschulalter träumen von einer gerechteren Welt. Doch in ihrem Alltag erlebt besonders eine Gruppe Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten, ergab die neue World-Vision-Kinderstudie.
Von Thomas Krause, Berlin

Kinder in Deutschland wollen eine gerechtere Welt. Das ist das Ergebnis der dritten World Vision Kinderstudie. "Kinder haben ein hohes Gerechtigkeitsempfinden und fordern Gerechtigkeit nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere", sagte Kindheitsforscherin Sabine Andresen bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Denn nur knapp die Hälfte von ihnen empfindet Deutschland als gerecht, die Welt sogar nur 16 Prozent der Kinder. "Mädchen thematisieren Ungleichheit stärker als Jungen", so Andresen. 44 Prozent fühlen sich gelegentlich oder häufig diskriminiert, bei Kindern aus der Unterschicht sind es sogar mehr als zwei Drittel. Etwa die Hälfte der Kinder mit Migrationshintergrund, von Alleinerziehenden oder aus kinderreichen Familien erleben im Alltag Benachteiligungen.

Ein Fünftel aller Kinder sind sogar sozial abgehängt und fühlen das auch deutlich. "Dass Kinder schon im Alter von sechs, sieben Jahren spüren, dass sie keine Chance haben, ist erschreckend", sagt Andresen zu stern.de. An der Lebenssituation und den schlechteren Chancen von Kindern aus der Unterschicht hat sich seit der ersten Kinderstudie 2007 kaum etwas verändert. Das zeigt sich etwa an den angestrebten Schulabschlüssen. So haben nur 17 Prozent der Unterschicht-Kinder das Abitur vor Augen, während es aus der Mittelschicht mit 39 Prozent mehr als doppelt so viele sind. Die Kinder sind sich der Wertigkeit der unterschiedlichen Schulabschlüsse schon früh bewusst, ergab die Studie.

Bei einem Viertel ist das Geld knapp

Etwa ein Viertel der Befragten erlebt in ihrem Alltag Mangel: Die Kinder geben an, dass in ihrer Familie nicht genügend Geld vorhanden ist oder das Geld öfter mal knapp ist. Und auch hier spielt Diskriminierung wieder eine Rolle: "57 Prozent der Kinder gehen davon aus, dass mit armen Menschen nicht gerecht umgegangen wird", berichtet Andresen.

Daher formuliert die Kinderhilfsorganisation World Vision eine klare Forderung an die künftige Bundesregierung: "Der Abbau von finanziellen, sozialen und kulturellen Ungleichheiten sollte im Vordergrund einer neuen Politik stehen", fordert Christoph Hilligen, Vorstand der Organisation. Und dass man Kindern Gehör schenken möge: "Kinder geben an, dass ihre Meinung am ehesten durch die Mutter wertgeschätzt wird. Lehrer und Politiker kommen da schlechter weg."

90 Prozent der Kinder sind zufrieden

Doch ein positives Ergebnis hat die Studie auch zutage gebracht: Immer mehr Kinder zwischen sechs und elf Jahren sind mit ihrem Leben zufrieden. Seit 2010 stieg der Anteil der Kinder, die zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Leben sind, leicht auf über 90 Prozent an. Bei Kindern aus der Unterschicht ist es mit der Zufriedenheit dagegen schwieriger: Von ihnen gaben 28 Prozent an, mit ihrem Leben nur einigermaßen oder gar nicht zufrieden zu sein.

Die World Vision Kinderstudie erscheint nach 2007 und 2010 zum dritten Mal. Befragt wurden für die neuesten Ergebnisse 2535 Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren.


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