HOME

Autorin Verena Brunschweiger: 70.000 Euro zum 50. Geburtstag für "kinderfreie" Frauen – "eine wunderbare Idee!"

Verena Brunschweiger ist Gymnasiallehrerin und mag ihre Schüler, eigene Kinder allerdings will sie auf keinen Fall. Gründe für die Entscheidung gibt es viele, sie schildert sie in ihrem gerade erschienenen Buch "Kinderfrei statt kinderlos". Nachhaltigkeit und Geschlechtergerechtigkeit führen die Argumentenliste an.

Verena Brunschweiger lächelt

Verena Brunschweiger, 38, hat Germanistik studiert und promovierte in Mediävistik, sprich: Mittelalterforschung. Als engagierte und aktive Feministin arbeitet sie hauptberuflich als Gymnasiallehrerin.

Verena Brunschweiger erlebt in ihrem Freundeskreis, wie die Kinder die Gedankenwelt von Eltern beherrschen und somit auch jedes Tischgespräch. Gleich in der "Ouvertüre" ihres Buches "Kinderfrei statt kinderlos" schildert sie den vergeblichen Versuch, auf der Geburtstagsfeier einer Freundin ein anderes Thema zu finden als Schnuller und Windeln. Und die Antwort von Müttern, wenn sie gefrustet die beschränkte Themenauswahl kritisiert: mit Kindern verändere sich das Leben eben. Die Reaktion spiegelt das gesellschaftliche Ansehen wider, das immer noch vorherrscht: Es ist unpopulär, als Frau nicht Mutter zu werden. Als gäbe erst ein Kind dem Leben einer Frau einen Sinn. Nicht Vater zu werden hingegen, ist kein Problem. Manche Männer interessieren sich eben für andere Dinge ...

Cover

"Kinderfrei statt kinderlos" von Verena Brunschweiger, Büchner-Verlag, 150 Seiten, 16 Euro

Ein bisschen Wut, eine Spur Zynismus und eine Prise Humor untermauern das "Manifest" von Brunschweiger. "Manche haben sich einfach noch nie die Mühe gemacht, über so 'normale' Verläufe nachzudenken. Schule, Studium, Heirat, Haus, Kind. So haben es die eigenen Eltern gemacht und was ist falsch daran?", resümiert sie den vorherrschenden Konsens – und findet Argumente, die aufzeigen, was daran nicht stimmt. Ein Aspekt zum Beispiel sei Nachhhaltigkeit, schreibt sie: "Wir haben bereits einen schwer übervölkerten, gebeutelten Planeten und jedes weitere Kind belastet ihn nicht nur auf vielfache Weise, sondern setzt diesen Zyklus womöglich selbst fort." Die Themen Müll, Luft, Boden und Trinkwasser stehen dabei ganz oben auf der Liste.

Das Frauenbild entspricht dem einer "Reproduktionsträgerin"

Brunschweiger ruft Frauen dazu auf, sich bewusst gegen vorherrschende Klischees zu entscheiden – von der Brustvergrößerung mittels Silikon bis zur Geburt. Und sich sowohl die Gefahr wie auch die Einbuße von Geld, Zeit und Kraft klarzumachen. Männliche Dominanz und mediale Gehirnwäsche führten dazu, dass Frauen glaubten, SIE wollten eine größere Brust, SIE wollten ein Kind. Was bei Brustvergrößerung sofort nachvollziehbar klingt, irritiert den Leser zunächst bei Brunschweigers Forderung, den Kinderwunsch zu hinterfragen bzw. sich klar gegen eigene Kinder zu entscheiden. Ein Grund mag dieser sein: "Manche Frauen lassen sich einreden, ohne Kind keine vollwertige Frau zu sein."

Das feministische Engagement Brunschweigers ist so lehrreich wie unterhaltsam. Der Ansatz des Club of Rome etwa, eines Zusammenschlusses von Experten, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen, dürfte jede Nicht-Mutter begeistern: "Gefordert wird eine Prämie von 80.000 Dollar für kinderfreie Frauen – auszuzahlen am 50. Geburtstag. Ich finde das eine wunderbare Idee." Ganz dringend sollten sich Politiker mal fragen, ob so ein nicht "konform-konservativer" Ansatz ein Weg zur Gleichberechtigung von Frauen wäre. Würde mal Zeit.

Tennisspielerin Serena Williams macht in einem Werbespot anderen Frauen Mut, sich nicht einreden zu lassen, sie könnten ihre Ziele nicht erreichen.
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity