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Tödliche Erkankung bei Hunden: Schnelle Atmung, Würgen und geschwollener Bauch: Symptome einer gefährlichen Magendrehung

Ein aufgeblähter Bauch, schnelle Atmung, Würgen ohne Erbrechen: Bei diesen Symptomen kann es sich bei Hunden um die seltene, aber meist tödliche Erkrankung handeln. Wie Sie vorbeugen können und was im Notfall zu tun ist, erfahren Sie hier.

Von Michèle Loetzner

Illustration einer Magendrehung

Die Magendrehung kann zum ernsthaften Problem für die Tiere werden

Getty Images

Das Wichtigste vorweg: Bei einer Magendrehung zählt jede Minute. Und zwar wirklich. Jede. Minute. Aber von Anfang an. Bei einer Magendrehung dreht sich der Hundemagen buchstäblich um die eigene Achse, meist im Uhrzeigersinn um die Längsachse. Dadurch werden der Mageneingang und -ausgang sowie die Magenvenen abgeschnürt. So können Magengase nicht mehr entweichen, der Bauch bläht sich gefährlich auf. Außerdem staut sich das Blut und die Flüssigkeit kann in das umliegende Gewebe austreten. Durch diesen Druck kann das Gewebe absterben oder es kann ein Durchbruch der Magenwand daraus resultieren. Gleichzeitig wird es immer schwerer für den Hund zu atmen, was die inneren Organe schädigt und nach nur kurzer Zeit den Tod zur Folge hat, durch Kreislaufversagen. Soweit der medizinische Teil, doch wie erkennt man eine Magendrehung?

Dieser besondere Fall kommt vergleichsweise selten vor. Nur wenige Hunderassen sind betroffen, davon überwiegend solche mit einem Körpergewicht über zwanzig Kilogramm und einem tiefen Brustkorb. Dazu zählen Irish Setter, Bloodhounds, Doggen, Irish Wolfhounds, Collies, diverse Windhundrassen, Weimaraner sowie deren Mischlinge. Bei ihnen liegt die Wahrscheinlichkeit, eine Magendrehung zu erleiden, zwischen achtzehn und dreißig Prozent. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich nicht, dass ein Dackel oder Foxterrier davor gefeit ist. Bei kleineren Hunderassen ist der Prozentsatz nur ungleich geringer. Gefürchtet ist die Magendrehung allemal, denn ihr Ausgang ist zu dreißig Prozent tödlich. Die tatsächlichen Ursachen und der exakte Verlauf geben der Wissenschaft bis heute Rätsel auf. Lange dachte man, es läge an Gärungsgasen. Doch diese Annahme ist mittlerweile widerlegt. Auch ist zweifelhaft, ob eine Umstellung von einmaligem auf mehrmaliges Füttern pro Tag wirklich hilft. Immerhin, schaden tut es auch nicht.

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Schnelle Atmung, Würgen und ein angespannter Bauch sind Symptome

Die Symptome einer Magendrehung sind immer recht eindeutig: Oft haben die Hunde eine beschleunigte Atmung. Sie winden sich, stöhnen, sabbern und hecheln ohne erkennbaren Grund. Sie würgen, ohne sich erbrechen zu können. Der Bauch ist gespannt oder gar aufgebläht. Auch die Gebetsstellung, die der Spielaufforderung mit tiefem Vorderkörper ähnelt, wird immer wieder dokumentiert. Das Ganze ähnelt oft Vergiftungserscheinungen, und ein Gang zum Tierarzt sollte möglichst sofort geschehen, am besten mit Vorankündigung, damit der Mediziner im Zweifel eine Notoperation vorbereiten kann. Diese ist bei einer durch ein Röntgenbild bestätigten Magendrehung unumgänglich. Dabei wird zuerst der Kreislauf stabilisiert, dann der Magen zurückgedreht und im Anschluss an der Bauchwand festgenäht, damit er sich nicht erneut drehen kann. Ohne diese Fixierung liegt die Rückfallquote bei nahezu achtzig Prozent, selbst bei der sehr seltenen spontanen Zurückdrehung ohne Eingriff. Nach einer Operation mit Befestigung sinkt die Rückfallquote auf unter fünf Prozent.

Selbst eine erfolgreiche Operation ist kein Garant für einen guten Ausgang der Situation. Viele Hunde leiden lange an den Folgen der Durchblutungsstörungen und des Schockzustands. Lebenswichtige Organe wie Herz und Nieren können irreparabel geschädigt sein. Erst vier bis fünf Tage nach der Operation lässt sich absehen, inwieweit der Hund durch die Magendrehung beeinträchtigt wurde und ob er über den Berg ist. Eine konsequente Nachsorge und gute Überwachung durch Tierarzt und Halter sind dementsprechend wichtig. Doch wie kann man vorbeugen, dass es gar nicht erst soweit kommt?

Ein Eingriff muss innerhalb von sechs Stunden vorgenommen werden

Fakt ist: Familiäre Vorbelastung liegt bei den meisten Hundepatienten mit einer Magendrehung vor. Hier bietet es sich an, dass man schon im Vorfeld proaktiv durch einen kleinen Eingriff den Magen an der Bauchwand befestigt. Der Tierarzt beurteilt das von Einzelfall zu Einzelfall ganz individuell. Inwieweit das Futter beziehungsweise das Fressverhalten wirklich schuld an einer Magendrehung sein kann, ist, wie erwähnt, nicht unumstritten. Da scheiden sich Tierärzte, Halter und Trainer in zwei Lager. Die einen halten eine spezielle Fütterung für unnötig, die anderen empfehlen, große oder vorbelastete Hunde vom Schlingen abzuhalten. Dafür sollte der Napf möglichst ebenerdig stehen. Eine schwere Kette aus rostfreiem Stahl oder ein Gummiball im Futternapf bremsen hastiges Fressen. Es gibt auch Antischlingnäpfe, die für Verlangsamung sorgen, und Trockenfutter in Form eines Snackballs.

Damit ein Hund eine Magendrehung möglichst ohne Folgeschäden übersteht, muss ein Eingriff innerhalb von sechs Stunden vorgenommen werden – das ist ein sehr kleines Zeitfenster. Deshalb erneut der Hinweis: Jede Minute zählt.

Bei diesen Symptomen sollten Sie sofort den Tierarzt aufsuchen:

● schnelle Atmung, Hecheln ohne Grund

● Würgen ohne Erbrechen

● Stöhnen, Sabbern, unnatürliches nervöses Verhalten

● aufgeblähter oder stark gespannter Bauch

● Gebetsstellung, in der der Hund die vordere Körperhälfte tief hält

● kein Appetit

● Winseln ohne ersichtliche Ursache

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