Ökohaushalt Waschen, wenn die Sonne scheint


Familie Müller-Maier ist uns ein paar Jahre voraus. Ihr Strom kommt aus dem eigenen Kraftwerk. Sogar die Geräte in ihrem Ökohaushalt richten sich nach dem Wetter.
Von Elke Schulze

In der Küche des Reihenhäuschens von Karin Müller und Christoph Maier türmt sich der Abwasch der vierköpfigen Familie manchmal tagelang. Gespült und gewaschen wird bei Müller-Maiers nur, wenn die Sonne scheint. Denn nur dann liefert die große Fotovoltaikanlage der Siedlung im badischen Stutensee genug Strom.

Modell für tausende Haushalte?

Noch steuern die Maiers ihren Ökohaushalt in Stutensee bei Karlsruhe von Hand. Schon bald übernimmt der Computer diese Aufgabe. Dann starten Wasch- und Spülmaschine, Kühlschrank oder Gefriertruhe ihre Dienste erst, wenn ausreichend Sonnenstrom im Netz ist oder der Energieversorger den Strom gerade günstig anbietet, weil die Nachfrage gering ist. Vielleicht ein Modell, wie in einigen Jahren Millionen Haushalte in Deutschland ökologisch geführt und gesteuert werden? Jedenfalls eine faszinierende Idee - weil sie ökologisch vernünftig klingt und weil Müller-Maiers Geld sparen können.

Ihr Haushalt zapft Strom aus verschiedenen Quellen und zu verschiedenen Preisen: Die Kilowattstunde aus der Fotovoltaikanlage ist am günstigsten. Hängen die Wolken tief, liefert ein Blockheizkraftwerk (gehört zur Ökosiedlung und wird mit Erdgas betrieben) den Strom. Und wenn es gar nicht anders geht, wird Energie aus dem normalen Leitungsnetz abgenommen. Der Preis richtet sich dann nach dem aktuellen Stromkurs an der Strombörse EEX in Leipzig. So zahlen Müller-Maiers zwischen 13 und 18 Cent für eine Kilowattstunde. Der Bundesdurchschnitt liegt derzeit bei knapp 20 Cent.

Keine langen Transportwege für Energie

Müller-Maiers verbrauchen 2800 bis 3000 Kilowattstunden pro Jahr. Sie zahlen dafür etwa 450 Euro. Ein normaler Vier-Personen-Haushalt verbraucht etwa 1000 Kilowattstunden mehr: im Jahr rund 800 Euro. Das Herzstück der ÖkoSiedlung ist das Blockheizkraftwerk. Dort werden Wärme und Strom gleichzeitig erzeugt - die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung. Der Vorteil dabei: Die Energie entsteht direkt vor Ort und muss nicht aufwendig über lange Strecken transportiert werden. So wird ein Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent erreicht. Zum Vergleich: Ein modernes Steinkohlekraftwerk schafft gerade einmal 35 bis 40 Prozent.

Im Kraftwerk der Siedlung sind zusätzlich zwei Reihen dicker Batterien angeschlossen, die nicht verbrauchte Sonnenenergie speichern und nach Bedarf und nach Sonnenuntergang ins Netz abgeben. Stutensee liegt an einem der sonnenreichsten und wärmsten Fleckchen Deutschlands. Auch deshalb hat die Europäische Union die Siedlung für ihr Programm "Dispower - Intelligente Netze" ausgewählt. Durchgeführt wird das Projekt mit dem Mannheimer Energieversorger MVV AG und dem Fraunhofer Solarinstitut ISE. Ziel ist es, eine dezentrale Versorgung aufzubauen und Verbrauchsspitzen abzufedern. So muss möglichst wenig teurer Spitzenlaststrom aus weit entfernten Kraftwerken zugeführt werden.

Bei Sonne gibt's schon mal zwei Brote

Bislang hatte Karin Müller ihre Aktivitäten auch schon an der Sonne ausgerichtet, "aber da musste ich aus dem Fenster schauen, um zu wissen, ob der Strom jetzt günstig ist". Knallte die Sonne vom Himmel, backte sie schon mal zwei Brote nacheinander und fror eins davon ein. Dass die Geräte künftig von fern gesteuert werden, findet sie toll, denn nach der Babypause mit Klein-Patrick fängt die 40-Jährige bald wieder an zu arbeiten und ist dann tagsüber nicht mehr zu Hause. Am meisten freut sie sich, dass dann auch ihre Brotbackmaschine ferngelenkt startet und die Familie am Abend noch warmes Brot isst, das mit günstigem Strom gebacken wurde.

Auch im Keller von Müller-Maiers Reihenhaus ist die Zukunft bereits eingebaut: Statt der sich drehenden, klobigen Stromzähler zeigt hier ein digitales kleines graues Kästchen den Stromverbrauch an. Solche digitalen Zähler machen es möglich, dass das Ablesen künftig entfällt - der Energieversorger kann für jeden beliebigen Zeitraum eine Rechnung erstellen. Ab 2008 werden diese digitalen Messgeräte EU-weit eingeführt und die altertümlichen Drehmaschinen ausgemustert. Dass Energie eine kostbare Sache ist, weiß auch die neunjährige Tochter Lena schon lange - sie knipst immer das Licht aus, wenn sie den Raum verlässt, und benutzt den elektrischen Heizwärmer nur, wenn ihr ganz kalt ist. "Am Anfang hat es viel Disziplin erfordert, immer auf Kommando Strom zu verbrauchen", sagt Christoph Maier. "Aber das Ganze dient ja auch der Forschung. Und man lernt, bewusster mit Energie umzugehen."

print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker