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Vererben unter Ehegatten: Worauf Sie beim Berliner Testament achten sollten

Beim Berliner Testament setzen sich Ehepartner gegenseitig als Alleinerben ein. Auf den ersten Blick eine einfache Regelung, doch es kommt auf die Details an: Durch ein paar Kniffe lässt sich die Steuerlast erheblich reduzieren.

Berliner Testament für Ehepaare: Der Teufel steckt im Detail

Berliner Testament für Ehepaare: Der Teufel steckt im Detail

Wer glücklich verheiratet ist, der will seinen Partner auch über den Tod hinaus versorgt wissen. Mit dem sogenannten "Berliner Testament" lassen die Ehepartner ihr gemeinsam erarbeitetes Vermögen dem länger lebenden Ehegatten zukommen. Dafür setzen sich die Ehegatten gegenseitig als Alleinerben ein und bestimmen für den zweiten Erbfall, also für den Tod des länger lebenden Ehegatten, einen oder mehrere gemeinsame Schlusserben.

Anderen Personengruppen steht das Privileg eines gemeinsamen Testaments nicht zu. Da bleibt nur der Gang zum Notar, um einen Erbvertrag zu schließen. Die Errichtung eines Ehegattentestamentes ist dagegen privatschriftlich möglich, indem ein Ehegatte den Testamentstext handschriftlich abfasst und ihn beide eigenhändig unterschreiben. Dabei muss darauf geachtet werden, dass der Testamentserrichter angibt, zu welcher Zeit (Tag/Monat/Jahr) und an welchem Ort das Testament verfasst wurde, und der Partner angibt, zu welcher Zeit (Tag/Monat/Jahr) und an welchem Ort er seine Unterschrift hinzugefügt hat.

Fallstrick Nummer 1: Pflichtteilsrecht

Indem sich die Ehegatten bzw. Lebenspartner gegenseitig zu ihren Alleinerben einsetzen, werden zugleich die jeweiligen gesetzlichen Erben enterbt. Sind diese pflichtteilsberechtigt, so steht ihnen die Hälfte ihres gesetzlichen Erbrechts vom überlebenden Ehegatten (= Alleinerbe) zu. Pflichtteilsberechtigt sind die leiblichen wie auch adoptierten Kinder und die Eltern des Erblassers.

Um den länger lebenden Ehegatten vor eventuellen Belastungen mit Pflichtteilsansprüchen zu schützen, ist dringend anzuraten, entsprechende Strafklauseln in jedes Berliner Testament aufzunehmen. Diese Strafklauseln besagen, dass derjenige, der Pflichtteilsansprüche nach dem ersten Erbfall geltend macht, auch im zweiten Erbfall nur den Pflichtteil erhalten soll.

Fallstrick Nummer 2: Wechselbezüglichkeit

Da die letztwilligen Verfügungen in Berliner Testamenten meist so eng miteinander verknüpft sind, dass die eine Verfügung notwendige Bedingung für die andere Verfügung sein soll, hat der Gesetzgeber die Wechselbezüglichkeit dieser so eng aufeinander abgestimmten Erbfolgeanordnungen bestimmt. Diese besagt, dass eine Änderung gemeinsamer Testamente nur einvernehmlich möglich ist. Wenn der erste Erbfall eingetreten ist, geht somit das Recht des überlebenden Ehegatten, seine letztwilligen Verfügungen nochmals zu ändern, unter. Er verliert somit seine Testierfreiheit völlig.

Dies ist in den meisten Fällen gar nicht gewollt, da alle Drehungen und Wendungen des Lebens unmöglich vorhersehbar sind. Um diesen vollständigen Verlust der Testierfreiheit des länger lebenden Ehegatten zu vermeiden, sind je nach Größe des gegenseitigen Vertrauens Befreiungen von der Wechselbezüglichkeit in jedes Berliner Testament aufzunehmen. Denn soweit keine oder nur mehrdeutige Regelungen zur Wechselbezüglichkeit in ein Berliner Testament aufgenommen werden, wird per gesetzlicher Auslegungsregel vermutet, dass alle Anordnungen in einem Berliner Testament wechselbezüglich zueinander sind.

Seien Sie deshalb vorsichtig bei Internetformularen, die meist explizit eine voll umfassende Wechselbezüglichkeit von letztwilligen Verfügungen im Rahmen von Berliner Testamenten vorsehen.

Fallstrick Nummer 3: Steuern

Aufgrund der Struktur des Berliner Testamentes entsteht bei dem überlebenden Ehegatten ein entsprechend großes Vermögen. Dieses zunächst auf zwei "Köpfe" verteilte Vermögen wird im zweiten Erbfall komplett weiter übertragen. Dies ist allein schon aufgrund der auch im Erbschaftsteuerrecht geltenden Progression nachteilig. Ein weiterer Nachteil ist, dass eventuell für den ersten Erbfall bestehende Steuerfreibeträge nicht ausgenutzt werden.

Was das bedeuten kann, lässt sich gut an einem Beispiel verdeutlichen: Die Ehegatten Paul und Petra haben zwei gemeinsame Kinder, Marie und Tom. Sie haben keinen Ehevertrag geschlossen und leben somit im Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Beide haben ein Vermögen von jeweils einer Million Euro aufgebaut. In einem gemeinsamen Testament haben sie sich gegenseitig zu ihren Alleinerben eingesetzt, der länger Lebende von beiden soll von Sohn und Tochter zu je gleichen Teilen beerbt werden.

Zuerst verstirbt Paul. Petra erbt somit eine Million Euro. Als Ehefrau verfügt sie über einen Freibetrag von 500.000 Euro, was dazu führt, dass sie die restlichen 500.000 Euro zu einem Steuersatz von 15 Prozent versteuern muss. Das führt zu einer Steuerbelastung von 75.000 Euro. Wenn nun Petra verstirbt, erben die Kinder Marie und Tom jeweils eine Million Euro. Da ihnen jeweils ein Freibetrag von 400.000 Euro zusteht, müssen sie jeweils 600.000 Euro versteuern und zwar mit 15 Prozent. Somit ist jedes Kind mit einer Steuer von 90.000 Euro belastet. In Summe ergibt sich somit eine Steuerbelastung von 255.000 Euro.

Insgesamt weniger Steuern müssten bei folgender Regelung gezahlt werden: Paul und Petra haben sich wiederum gegenseitig zu Alleinerben und ihre Kinder Marie und Tom zu ihren Schlusserben zu gleichen Teilen eingesetzt. Dazu haben sie noch folgende Vermächtnisse aufgenommen: Beim ersten Todesfall wird an jedes Kind ein Betrag von 300.000 Euro vermacht. Somit ergibt sich nun folgendes Bild:

Paul verstirbt wiederum zuerst. Nun erbt Petra 400.000 Euro, da jeweils 300.000 an Marie und Tom vermacht wurden. Da sowohl Petra nunmehr einen Betrag erlangt, der ihren Steuerfreibetrag von 500.000 Euro nicht übersteigt, und auch die Freibeträge der Kinder von jeweils 400.000 Euro nicht überschritten werden, fallen in der Abwandlung beim ersten Erbfall keinerlei Steuerbelastungen an. Verstirbt Petra, so erben die Kinder jeweils 700.000 Euro. Abzüglich ihres jeweiligen Freibetrages von 400.000 Euro müssen sie jeweils 300.000 versteuern, jedoch nur mit einem Steuersatz von elf Prozent, aufgrund der Progression. In Summe fallen in der Abwandlung somit 66.000 Euro an steuerlicher Belastung an - was eine Reduzierung von 189.000 Euro im Vergleich zum Ausgangsfall zur Folge hat.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.