Akademie der Künste Ein elitäres Haus für die Bürger


Nach rund elf Jahren und unzähligen Kämpfen ist es endlich so weit: Die Akademie der Künste kann in ihren gläsernen Neubau am Pariser Platz einziehen.

Als er das Treppengeländer berührte, bekam er einen elektrischen Schlag. "Ich nehme an, dass das Haus stark aufgeladen ist", sagt Adolf Muschg und lacht. Muschg ist Präsident der Akademie der Künste (AdK) in Berlin. Am Samstag kehrt seine Institution an ihren historischen Standort am Pariser Platz zurück, in einen von Günter Behnisch entworfenen gläsernen Neubau. Hier, im Herzen Berlins, residierte die AdK schon einmal: Von 1907 bis zu ihrem Rauswurf durch die Nazis 1937.

Bundespräsident Horst Köhler und Kanzler Gerhard Schröder werden das 56 Millionen Euro teure Haus feierlich eröffnen. In seinem Inneren ist die Vergangenheit fassbar: Die im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs unversehrt gebliebenen Ausstellungssäle des ansonsten weitgehend zerstörten Vorgängerbaus sind integriert worden. Sie stehen im Kontrast zu ihrer betont modernen Umgebung: Im lichtdurchfluteten Foyer ragen schräge Rampen auf, über die Brückengänge zu erreichen sind. Die Passage, die durch das Haus führt, verbindet Pariser Platz und das gerade eröffnete Holocaust-Mahnmal.

Offen, transparent und kühl

Mit seiner gläsernen Fassade symbolisiert das 1994 von entworfene Gebäude Offenheit, Transparenz und gleichzeitig kühle Distanz. Das Innenleben der Institution ist so für alle einsehbar - ähnlich wie der auch von Behnisch entworfene Bonner Bundestag. Allerdings wirkt das Gebäude am Pariser Platz fremd - wie ein dreidimensionaler, multimedialer Zukunftsentwurf - stehen hier doch sonst Bauwerke wie das Hitel Adlon mit seinem beigen Stein und den historisierenden Fassaden.

Künftig soll die AdK, die seit über 300 Jahren als Hort der Hochkultur gilt, ein öffentlicher Ort werden. So ist das Haus täglich von 10.00 bis 22.00 Uhr für alle geöffnet. "Wir empfinden uns weder als Landes- noch als Bundesanstalt, sondern als Einrichtung der Bürger dieses Landes", erklärte Muschg. Anfang vergangenen Jahres hatte der Bund die Trägerschaft für die AdK von den Ländern Berlin und Brandenburg übernommen.

Trotz dieser Verbindung wolle die AdK dem Staat nicht gefällig sein, sondern ein Gegengewicht bilden. Man habe die Verpflichtung, "den Leuten aus Politik und Wirtschaft" Fragen zu stellen. "Wir werden dafür bezahlt, dass wir dem Markt nicht hörig sind", erklärte Muschg. Dieser habe seine Grenzen, die aufgezeigt werden müssten.

Der extreme Stilbruch war Grund für etliche Verzögerungen, Kämpfe und Skandale um den geplanten Neubau. Mit der Moderne müsse Schluss sein, lautete Anfang der 90er Jahre eine weit verbreitete Parole. Gefordert wurde von einigen gar die originalgetreue Rekonstruktion des Berlins von 1939, inklusive Schloss. Erst als sich der damalige Bundespräsident Roman Herzog und Kanzler Schröder für Behnischs Entwurf aussprachen, konnte dieser realisiert werden. Nach dem Fassadenstreit konnte im Mai 2000 Walter Jens als Ehrenpräsident der Akademie den Grundstein legen. Der aktuelle Präsident Adolf Musch kann sie nun eröffnen.

Hochhuth wirft Muschg schwere Versäumnisse vor

Wie streitbar die Akademie ist, zeigte auch ein Vorfall bei der Pressekonferenz zur Eröffnung des Neubaus. Der Schriftsteller Rolf Hochhuth, auch Akademie-Mitglied, nutzte sichtlich erzürnt die Gelegenheit und warf Muschg und seinen Vorgängern schwere Versäumnisse vor: Die neuen Räumlichkeiten könnten um ein Drittel größer sein, wenn die AdK nach der Wende Restitutionsansprüche geltend gemacht hätte. Nun hätten "private Spekulanten" das Areal weggenommen. Das müsse rückgängig gemacht werden.

Die AdK winkte ab: Die Gebäude hätten nie der Akademie gehört. Deswegen hätten solche Ansprüche auch nicht geltend gemacht werden können. Hochhuth solle doch eine eigene Pressekonferenz einberufen, sagte Muschg.

Mit dem neuen Gebäude ist auch die Gestaltung des Pariser Platzes, der im Krieg bis auf das Brandenburger Tor fast vollständig zerstört worden war, so gut wie abgeschlossen. Nur eine Baulücke klafft noch. Sie muss vom Gebäude der US-Botschaft gefüllt werden. Ihren alten Standort im Stadtteil Tiergarten behält die AdK, die momentan 370 Mitglieder zählt. Auch hier sollen weiter Veranstaltungen stattfinden.

Holger Mehlig/AP AP

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