HOME

Autounfall: Starfotograf Helmut Newton ist tot

Helmut Newton ist im Alter von 83 Jahren tödlich verunglückt. Mit seinen Aktaufnahmen und Porträts von Prominenten gehörte er zu den herausragenden Fotografen des 20. Jahrhunderts.

Der in Berlin geborene Starfotograf Helmut Newton ist bei einem Autounfall in Los Angeles ums Leben gekommen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin verlor der 83-Jährige am Freitagmittag (Ortszeit) die Kontrolle über sein Fahrzeug, als er den Parkplatz des bekannten Hotels Chateau Marmont am Sunset Boulevard verlassen wollte. Freunde äußerten die Vermutung, dass Newton einen Herzinfarkt am Steuer erlitten haben könnte.

"Helmut Newton war ein großartiger Fotograf, wir verlieren einen Künstler von Weltrang", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). "Es ehrt Deutschland sehr, dass Helmut Newton, den man einst von hier vertrieb, die Hand zur Versöhnung reichte", schrieb Kulturstaatsministerin Christina Weiss in einem Nachruf.

"Wahre Ikonen des 20. Jahrhunderts

Der französische Kulturminister Jean-Jacques Aillagon würdigte Newton als "international anerkannten und besonders talentierten" Künstler. "Einige seiner Bilder sind zu wahren Ikonen des 20. Jahrhunderts geworden und haben Fotografen und Künstler in aller Welt beeinflusst."

Bekennender Liebhaber luxuriöser Wagen

Zum Unfallhergang berichteten Augenzeugen, das Auto habe plötzlich beschleunigt, die Marmont Lane überquert und sei dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite in eine Wand gerast. Newton, ein bekennender Liebhaber luxuriöser Wagen, wurde in das Cedars-Sinai Medical Center gebracht, wo er wenig später seinen schweren Verletzungen erlag. Weitere Personen wurden nicht verletzt. Die Unfallursache wird noch untersucht.

Winderquartier in Los Angeles

Der berühmte Fotograf und seine Frau June, mit der er 55 Jahre lang verheiratet war, hatten das südkalifornische Los Angeles in den letzten 25 Jahren zu ihrem "Winterquartier" gemacht. Auch in diesem Jahr hätten sie sich wieder im Hotel Hotel Chateau Marmont niedergelassen, berichtete die "Los Angeles Times" am Samstag. Hauptwohnsitz des Paares war Monte Carlo. Wo sich Newtons Frau zur Zeit des Unfalls aufhielt, war zunächst nicht bekannt. Nach Angaben der Polizei kam bei dem Unfall außer dem Fotografen niemand sonst zu Schaden.

Glückliche Ehe

"Ich habe selten jemanden erlebt, der das Leben so geliebt und der es so genossen hat wie Helmut und June", erklärte "Vogue"-Chefredakteurin Phyllis Posnick der Zeitung. Newton "war offen, großzügig, warmherzig und lieb. Er hatte ein tolles Leben." Freunde der Newtons beschrieben die Ehe des kinderlosen Paares als "große Liebesaffäre".

Durch Porträt- und Aktfotos bekannt

Der 1920 in Berlin geborene Fotograf wurde vor allem mit seinen Mode-, Porträt- und Aktfotos bekannt. Seine eigenwilligen und manchmal auch schockierenden großformatigen erotischen Frauenbilder wie die «Big Nudes» werden von Museen in aller Welt gezeigt. Seine Aufnahmen erschienen in Magazinen wie "Vogue", "Elle" und "Playboy".

Er porträtierte Persönlichkeiten wie Kanzler Gerhard Schröder, Claudia Schiffer und Pierre Cardin. Im vergangenen Oktober überließ er der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin eine umfassende Fotosammlung, die in der ehemaligen Kunstbibliothek am Bahnhof Zoo untergebracht werden soll.

Vorwurf der Frauenfeindlichkeit

Feministinnen wie Alice Schwarzer warfen Newtons Bildern Frauenfeindlichkeit vor, weil sie voyeurhaft seien und die Frauen erniedrigend darstellten. Der Künstler selbst meinte, er zeige Frauen nur als starke Persönlichkeiten und nie als Opfer. Mit seiner Frau June, die er 1948 heiratete, arbeite er eng zusammen. Sie stand ihm anfangs Modell, wurde dann aber unter dem Künstlernamen Alice Springs selbst als Fotografin bekannt.

Newton, Sohn eines jüdischen Knopffabrikanten und einer Amerikanerin, war 1938 mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten aus Deutschland zunächst nach Singapur geflohen. Später ging er nach Australien, dessen Staatsbürgerschaft er erhielt.