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DDR-Karikaturen: Bei den Roten verboten

Die Veröffentlichung von kritischen Karikaturen war in der DDR verboten. In der Ausstellung "Unterm Strich" in Bonn werden sowohl verbotene Zeichnungen als auch typische Propaganda gezeigt.

Neben Propagandazeichnungen, in denen das Feindbild und das sozialistische Wunschbild beschrieben werden, nehmen die kritischen Werke einen großen Raum ein. Anhand von Schriftwechseln der Behörden wird auch die Willkür der Zensur deutlich gemacht. Die Ausstellungsobjekte stammen aus den Jahren von 1948 bis 1991.

"Wäre es nach dem Willen der DDR gegangen, könnten Sie heute nur die halbe Ausstellung sehen", sagte der Projektleiter der Schau, Daniel Kosthorst, am Donnerstag. Denn das Zentralkomitee der SED habe bereits 1956 verordnet, der Kampf um eine sozialistische Zukunft könne niemals eine Quelle der Komik und der Lächerlichkeit sein.

Eine gute Pointe muss sitzen

Da sprechen allerdings die gezeigten Objekte eine andere Sprache. Zum Beispiel die Zeichnung auf dem Ausstellungsplakat des 1951 in Berlin geborenen Grafikers und Cartoonisten Manfred Bofinger. Es zeigt einen sitzenden angeketteten Sträfling mit der Sprechblase: "Eine gute Pointe muss eben sitzen!".

Satirische Kleinkunst nimmt DDR-Realität auf die Schippe

Seit den 70er Jahren zeichneten DDR-Karikaturisten immer häufiger Werke, die den Gegensatz zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Land aufdeckten. In der Ausstellung sind Blätter zu sehen, die zeigen, was die Medien verschwiegen: Mängel der Planwirtschaft, soziale Probleme, Rüstungswahn und Umweltzerstörung.

Honecker eigene Bloßstellung

Ein berühmtes Beispiel für eine "Plastikatur" genannte satirische Kleinplastik ist eine umgebaute Adler-Schreibmaschine. Bei einer Ausstellung soll DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker auf das Objekt gezeigt und gesagt haben: "Auf so einer hab ich Maschineschreiben gelernt." Die Reaktion sei damals betretenes Schweigen gewesen, berichtete Kosthorst. Offenbar habe Honecker nicht genau hingesehen. Die Maschine weist lediglich drei Tasten auf, deren Buchstaben sich zum Wort "Bla" zusammenfügen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. März 2006 im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen. Infos unter www.hdg.de.

DPA / DPA
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