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Ein Bild und seine Geschichte: Das Foto vor der Hochzeit

Terry O'Neill hat sie alle gehabt: Die Beatles, Liz Taylor, die Queen. Der Schulabbrecher aus London ist ein Starfotograf. 1977 porträtiert er Oscar-Preisträgerin Faye Dunaway am Hotelpool in Beverly Hills. Es sei sein bestes Bild, sagt O'Neill. Zumindest erzählt es die tragischste Geschichte.

Von Philipp Gülland

Leere Liegestühle spiegeln sich in der glatten Oberfläche des Pools. Morgens um sieben ist es still im Beverly Hills Hotel. Am Vorabend wurden die Oscars verliehen. Man hat lange gefeiert, die Stadt und ihre Stars schlafen ihren Rausch aus. Nur Faye Dunaway ist schon auf den Beinen. Im seidenen Morgenmantel posiert sie für den Fotografen Terry O'Neill.

In einen Stuhl gegossen, schaut sie müde, entrückt und traurig ins Leere - vorbei am Teetablett und dem Oscar auf dem Tisch, um den Zeitungen verstreut liegen. "Posthumer Oscar für Finch" titelt ein Blatt zu ihren Füßen. Ihr Filmpartner Peter Finch erlitt wenige Tage vor der Verleihung des begehrten Preises für seine Rolle in "Network" einen Herzschlag.

Mein bestes Foto

Früh um fünf hat Terry O'Neill die Szene hergerichtet, die weißen Stühle in ihre Reihen gestellt, das Tablett und den Filmpreis auf dem Tisch zurecht gerückt, die Zeitungen drapiert , die Kamera in Stellung gebracht. Als Dunaway zwei Stunden später erscheint, ist das Bild komplett.

"Als sie dann kam, früh um sieben, nach drei Stunden Schlaf, und in diesem Stuhl versank, dieser traurige, weit entrückte Blick, das war ein echter Moment. Es wurde mein bestes Foto", erinnert sich der Fotograf später. Ein Abbild, das fragilen Glamours, und eines mit Folgen: Kurz darauf sind die Schauspielerin und der Fotograf ein Paar, sechs Jahre später heiraten sie - eine Ehe, die vier Jahre hält.

Jetset und schmerzfreie Wahrheit

Später resümiert O'Neill: "Ich wollte sie nie heiraten. Wir waren Jahre zusammen, aber am Ende hat man doch gemerkt, dass es nie wirklich Liebe war. Faye stand um fünf Uhr auf, und wenn sie abends nach Hause kam, ging sie schlafen, um am nächsten Tag wieder hübsch auszusehen. Irgendwann wissen diese Menschen gar nicht mehr, wer sie überhaupt noch sind, weil sie ein Stück aus allen Rollen werden."

Terry O'Neill, 1938 geboren, wächst in London als Sohn eines Ford-Angestellten und einer Hausfrau auf. Mit 14 Jahren bricht der verträumte Junge mit der Schallplattensammlung die Schule ab, um Musiker zu werden. Nach dem Militärdienst landet er - zuerst als Flugbegleiter, später in der Abteilung für Fotografie - bei British Airways. Ein Schnappschuss des britischen Innenministers beim Nickerchen im Flughafen markiert den Beginn seiner Karriere als Magazinfotograf.

Zunächst engagiert ihn die Zeitung "Daily Sketch". In den 70ern sucht O'Neill sein Glück in Hollywood, arbeitet dort für "Life" und den "Playboy". Der Junge aus der Mittelschicht ist im Jetset angekommen und wird als Chronist des bunten Glamor-Treibens selbst berühmt.

Bei all den Bildern sei er immer eine Mischung aus Fotograf, Reporter und Träumer geblieben, verrät der Brite im Interview mit der "Zeit": "Ich suche die Wahrheit, die keinem wehtut." Ganz so wie Hollywood.

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