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F.C. Gundlach: Der Meister-Fotograf wird 80

Er hat den richtigen Blick für Details, für die wahre Schönheit. F.C. Gundlach, einer der bekanntesten deutschen Fotografen, wird 80 und kann auf eine Leben voller einzigartiger Motive zurückblicken.

Romy Schneider, Märchenprinzessin Soraya, Gina Lollobrigida: Franz Christian Gundlach hat sie alle vor seine Kamera bekommen. Und zwar nicht nur in gestellten Posen, sondern in einfühlsamen Schwarz-Weiß-Aufnahmen gelang es ihm, persönliche Momente der großen Stars der 50er und 60er Jahre einzufangen. Später wurde der Mann, der sich selbst nur F.C. Gundlach nennt, in Hamburg zum erfolgreichen Fotounternehmer. Heute ist der Grandseigneur der deutschen Fotografie, der am 16. Juli 80 Jahre alt wird, ein international renommierter Sammler und Kurator. Mit seiner Berufung zum Gründungsdirektor des Hauses der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen 2005 ging für ihn "ein Traum in Erfüllung".

Ein Geschenk für die Deichtorhallen

Bereits die Eröffnungsausstellung, die von ihm kuratierte erste Retrospektive des Ungarn Martin Munkàcsi, positionierte das neue Haus unter den allerersten Adressen internationaler Fotomuseen. Die Ausstellung wird nach der Präsentation im Berliner Martin-Gropius-Bau im nächsten Jahr in New York und San Francisco zu sehen sein. Den Grundstock für das Haus der Photographie bildet seine Sammlung, die er in den vergangenen 30 Jahren zusammengetragen hat, sowie das Bildarchiv des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Aus Anlass des 80. Geburtstags widmet die Berliner Galerie Kicken F.C. Gundlach eine Ausstellung, die erstmals ausschließlich die Farbfotografien aus den 60er und 70er Jahren zeigt. F.C. Gundlach wird unter dem Titel "The Heartbeat of Fashion" Ende September erstmals selbst aus seiner Sammlung eine Ausstellung für das Haus der Photographie kuratieren.

Ein einziges Bild entschied über die Karriere

Das Interesse für die Fotografie wurde bei F.C. Gundlach, 1926 in Heinebach (Hessen) geboren, schon früh geweckt: Im Alter von zehn Jahren schenkte ihm sein Onkel "die berühmte Black Box", eine einfache Agfa Box für fünf Mark. Mit 19 Jahren wollte er unbedingt eine Ausbildung an einer privaten Fotoschule in Kassel beginnen. "Der Schulleiter wollte mich rausschmeißen. Doch dann gelang mir ein gutes Bild, und ich durfte bleiben", sagt Gundlach. Anfang der 50er Jahre zog es den jungen Mann nach Paris, wo ihn die Existenzialisten-Szene beeindruckte. "Das war die große Zeit von St. Germain." 1953 lichtete er zum Beispiel Stars wie Simone Signoret und Yves Montand in einer düsteren Schwarz-Weiß-Welt ab.

Hochglanzbilder in den Hochzeiten

Mit dem Wirtschaftswunder kam auch der Glamour nach Deutschland. Die Menschen sehnten sich nach Geschichten, die ihnen Illustrierte wie "Film und Frau", "Quick", "Brigitte" und "Stern" nach Hause lieferten. "Und ich hatte den Luxus, überall hinfliegen zu können, wohin ich wollte", erinnert sich Gundlach, der auch für die Lufthansa arbeitete. Innerhalb kürzester Zeit wurde er zum Star der westdeutschen Modefotografie: "Ich wusste, ich war ein Märchenerzähler." Das Geheimnis seines Erfolges: "Immer auf Augenhöhe bleiben. Das ist eine Frage des Vertrauens, dann können Sie alles machen", sagt der Fotograf. So traf er auf der Berlinale 1961 den damals noch weithin unbekannten französischen Regisseur Jean-Luc Godard, der ihn für die Dauer der Sitzung als Regisseur akzeptierte.

Labor im Bunker

Ende der 60er Jahre gründete Gundlach in einem Bunker auf dem Heiligengeistfeld das Unternehmen "Professional Photo Service" (PPS), das Labore und Studios betrieb und mit Kameras und Fotopapier handelte. Später eröffnete er die "PPS Galerie F.C. Gundlach", die erste reine Fotogalerie in Deutschland - der Grundstein für seine neue Karriere als Sammler war gelegt. Ende der 80er Jahre legte Gundlach die Kamera aus der Hand. Heute organisiert er Ausstellungen, 1999 hob er die Triennale der Photographie aus der Taufe. Längst kann er nicht mehr alle Anfragen beantworten, ihm angebotene Werke oder sein eigenes Archiv sichten. "Aber ohne Zweifel ist bis zum heutigen Tage die Fotografie das verbindende Medium meines Lebens.

Carola Große-Wilde/DPA / DPA