"Zum Glück geküsst" Märchenprinzessin wird Aschenputtel


In der Teenie-Komödie "Zum Glück geküsst" geht es für Glamour-Barbie Ashley, alias Lindsay Lohan, nach dem Kuss mit einem Unbekannten plötzlich steil bergab. Ein keusches Märchen mit Charme und Magie.

Ashley braucht nicht bang beim Frühstück ihr Horoskop zu lesen. Denn die PR-Angestellte weiß, dass der Regen aufhört, wenn sie vor die Tür tritt, dass Taxis quietschend für sie bremsen und der reiche Schönling im Lift sich mit ihr verabredet. Dann wird die Heldin der am 17. August anlaufenden Komödie "Zum Glück geküsst" auch noch befördert und darf für einen Plattenboss einen glamourösen Maskenball organisieren: Ein ganz normaler Tag für die junge Dame, der eine gute Fee anscheinend das Glück in die Wiege gelegt hat. Doch ihre Nemesis in Gestalt des Unglücksraben Jake steht schon bereit.

Falle des Schicksals

Jake klebt seit jeher das Pech an den Fersen, und so vermasselt der angehende Bandmanager prompt einen wichtigen Auftritt seiner Band. Als er sich dann auf den Maskenball schmuggelt, um mit dem Plattenboss ins Geschäft zu kommen, wagt er ein Tänzchen mit der (noch) strahlenden Ashley. Sie lässt sich dazu hinreißen, mit dem Wildfremden herumzuknutschen und geht beim ersten Kuss dem Schicksal in die Falle. Während Jake kometenartig Karriere macht, rauscht Ashleys Dasein, beginnend mit platzenden Kleidernähten, rasant den Bach hinunter: Ihr Leben wird ein einziger Bad-Hair-Day.

Frühpubertierende Klein-Mädchen-Träumerei

Glück bedeutet in dieser keuschen Komödie zunächst das narzisstische Hochgefühl, zufällig ein an Sarah Jessica Parker adressiertes Kleid geliefert zu bekommen. Im Fahrwasser der TV-Serie "Sex and the City" wird für die kleinen Schwestern jener postfeministischen New Yorkerinnen eine Hochglanz-Medienbranche präsentiert, in der Gucci, Stretchlimousine und Penthouse das Ziel frühpubertärer Sehnsüchte sind. Mit dabei ist die real existierende Brit-Pop-Band McFly, die der Zielgruppe aus einschlägigen Teenie-Magazinen bekannt sein dürfte. Und obwohl es ja eigentlich gemein ist, dass Ashley so viel Dusel hat, sind ihre Freundinnen überhaupt nicht neidisch.

Wieder wird also der Versuch unternommen, die so genannten "Pre-Teens" dazu zu bringen, ihr Taschengeld ins Kino zu tragen, statt es in H&M-Klamotten zu investieren, die von ferne wie Gucci aussehen. Deshalb geht es in dieser durchgestylten Klein-Mädchen-Träumerei märchenhaft magisch und übersichtlich zu. Ashley, das umgepolte Aschenputtel, muss Klos putzen gehen und jede Menge Frösche küssen, bis sie ihren Märchenprinzen und ihr Glück wieder findet. Doch wenn man davon absieht, dass der Pechvogel-Slapstick einen hohen Igitt-Faktor mit Hundehaufen hat, so entwickelt die Komödie dennoch Charme, wenn sie mit karmischem Humor die Liebe als homöostatischen Yin- und Yang-Ausgleich betrachtet.

Barbie statt Baby-Speck

Es hilft, dass die ausdrucksstarke Lindsay Lohan die Hauptrolle spielt und bei jeder Dämlichkeit Haltung bewahrt. Anders als ihre Kolleginnen wie die bulimischen Olsen-Schwestern und die puppige Hillary Duff gilt der ehemalige Kinderstar, der bereits in den Teenie-Filmen "Freaky Friday" und "Girls Club" auffiel, als großes Talent. Doch auch Lindsay Lohan, deren Kurven in ihrer letzten Komödie "Herbie" angeblich digital verkleinert wurden, hat ihren Babyspeck auf ungesundes Barbie-Format herunter gehungert und wirkt gar ein klein bisschen verlebt. Bleibt zu hoffen, dass sie das Stadium der Teenie-Komödien unbeschadet hinter sich bringt, um zu Größerem zu schreiten.

Birgit Roschy/ AP AP

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