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Ausstellung "Last Folio": Bilder, die ins Herz treffen

"Last Folio" zeigt eine verschwundene Welt: Yuri Dojc hat in der Slowakei ehemalige jüdische Schulen, Synagogen und Bibliotheken fotografiert. Seine berührenden Bilder sind jetzt in einem Bildband und in einer Ausstellung zu sehen. 

Die beiden sitzen in einem ehemaligen Klassenzimmer

Der Fotograf Yuri Dojc und die Filmemacherin Katya Krausova in der alten jüdischen Schule in Bardejov im Jahre 2006

Vor zehn Jahren machten sich die Dokumentarfilmerin Katya Krausova aus London und der in Kanada lebende Fotograf Yuri Dojc auf die Suche nach Spuren jüdischen Lebens in der Slowakei. Dabei sprachen die beiden Exil-Slowaken mit Überlebenden der Schoah, fanden unberührte Zeugnisse von Kultur und Vertreibung - und ihrer eigenen Biografien. Die Ausstellung "Last Folio" in der Berliner Staatsbibliothek zeigt nun die eindringlichen Bilder von den Stationen ihrer Reise.

In ehemaligen Schulräumen und sich selbst überlassenen Synagogen fanden Sie die stummen Zeugnisse einer untergegangenen Welt: im Laufe der Jahrzehnte verstaubte Bücher, deren Zerfall Yuri Dojc mit Nahaufnahmen dokumentiert hat. "Yuris Bilder sind Gleichnisse, ebenso sehr für die Vernichtung einer Kultur wie für ungebrochenen Überlebenswillen", schreibt der Journalist Stephan Maus in dem Artikel "Der Atem der Geschichte", der im stern vom 23. April erschien.

1942 waren drei Viertel der jüdischen Bevölkerung auf dem Gebiet der Slowakei von den deutschen Besatzern innerhalb nur weniger Wochen in Konzentrationslager deportiert worden, darunter auch Dojcs Großvater. Durch Zufall fand er bei seinen Recherchen in einer ehemaligen jüdischen Schule in Michalovce ein Buch wieder, das seinem Großvater gehörte.

"Last Folio" nennen Dojc und Krausova die Dokumentation ihrer Zeitreisen im Osten der Slowakei, das bei Prestel nun als Buch erschienen ist. Nach einer Reise um die halbe Welt sind die Bilder jetzt erstmals in Deutschland zu sehen: Bertelsmann hat ihre Ausstellung "Last Folio" nach Deutschland geholt. Bis zum 1. August werden die großformatigen Fotografien in der Staatsbibliothek zu Berlin gezeigt.

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