SOS-Kinderdörfer Mit Kunst Kindern helfen


So etwas gab es noch nie: eine Versteigerung von Bildern namhafter Künstler und Prominenter bei Ebay zugunsten eines SOS-Kinderdorfes. Der Clou: Erst nach Ende der Auktion wird verraten, wer die Bilder gemalt hat.

Nein, nein, ausgeplaudert wird nichts. Weder, welches Bild von Mariele Millowitsch stammt, noch, welches Jörg Immendorff spendiert hat oder Renate Künast. Ein Geheimnis muss vorerst auch bleiben, ob der Delfin im Sonnenuntergang von einem namhaften Künstler stammt oder von einem Fernsehstar. Denn das macht ja gerade den Spaß am SOS-Kunststück aus: dass keiner weiß, welches Kunstwerk von wem ist. Dass man spekulieren, raten und grübeln kann, um vielleicht für wenig Geld das Werk eines Stars zu ergattern. Oder um am Ende doch spontan das Lieblingsbild zu ersteigern - egal, von wem es ist.

Denn einen Gewinner wird es immer geben: das SOS-Kinderdorf Pemba in Mosambik. Den 152 Waisenkindern, die dort aufwachsen, kommt der gesamte Erlös dieser ganz besonderen Kunstauktion zugute. Einer Versteigerung, wie es sie in Deutschland noch nie gab. Rund 100 Künstler und Prominente spendeten ein Gemälde von ihrer Hand, eine Zeichnung, eine Skulptur oder ein Foto.

Neben Jörg Immendorff machten Markus Oehlen mit und Robert Lucander, Jonathan Meese, Thomas Bayrle, Günter Förg und viele mehr. Schirmherr der Aktion ist der Kunstsammler Friedrich Christian Flick, selbst Vater von drei Kindern. Er gab aus seinen Beständen ein Bild der Schweizer Künstler Fischli/Weiss. Prominente wie Familienministerin Renate Schmidt, Designerin Jette Joop, Sänger Peter Kraus, Moderatorin Bärbel Schäfer oder Schauspielerin Thekla Carola Wied trennten sich von Bildern, die sie gemalt, gezeichnet, fotografiert oder collagiert haben. In vier Staffeln werden nun alle Werke bei Ebay versteigert, begleitet von ausführlichen Kommentaren bei stern.de. Am 13. November um zwölf Uhr geht es los.

SOS-Kinderdörfer geben seit 53 Jahren Waisenkindern in der ganzen Welt ein neues Zuhause. Auch Manuel Gemusse aus Mosambik war einst eines dieser einsamen, verlorenen Wesen. "Buschkinder" nennt man sie in seiner von 28 Jahren Krieg, Überschwemmungen, Dürreperioden und Seuchen gebeutelten Heimat. Eine Million Tote, 2,5 Millionen Heimatlose, Verletzte und Verstümmelte hat Mosambik zu beklagen. Erst seit 1992 gibt es Frieden, aber immer noch sterben jeden Monat 40 Menschen durch Minen. Das Land gehört zu den ärmsten der Erde, 77 Prozent der Bewohner leben unterhalb der Armutsgrenze. Hilfe ist dringend nötig. Manuel Gemusse hatte in den Wirren des Bürgerkrieges alle Verwandten verloren, irrte umher und landete schließlich allein und traurig in einem Flüchtlingslager. Dort fing er an zu malen: Soldaten mit Panzerfäusten. Ein neues Zuhause fand er dann mit 13 Jahren im SOS-Kinderdorf Tète. Dort konnte er in die Schule gehen, später eine Ausbildung als Elektriker machen.

Nebenbei malte er weiter, nicht mehr Kriegsszenen, sondern Dorfbewohner, Lehrer und immer wieder Tiere. Als das SOS-Kinderdorf Maputo gebaut wurde, half er mit und malte Wandbilder. Und weil die Bilder so gut gelungen waren, fragten ihn auch andere, Restaurantbesitzer etwa, ob er ihre Räume ausschmücken könne.

Inzwischen ist Manuel Gemusse 27 Jahre alt und in seiner Heimat ein anerkannter Künstler. Eines seiner Bilder wird nun auch versteigert, gleich in der ersten Staffel (13. bis 22. November). Und vielleicht kommt am Ende so viel Geld zusammen, dass auch für Manuel etwas übrig bleibt. Dann könnte er sich seinen Traum verwirklichen und in London Kunst studieren.

Nun sind die Ebay-Süchtigen und die Kunstliebhaber an der Reihe - und geraten hoffentlich in einen Bieterrausch. Schließlich winken gleich am Anfang ein echter Martin Kippenberger, ein zweiseitig bemaltes Bild von Jonathan Meese und eine besonders schöne Arbeit von Thomas Bayrle. Dazu gibt es Kunstwerke von Hannelore Hoger, Suzanne von Borsody und vielen mehr. Steigern Sie mit?

Anja Lösel


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