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Unesco-Weltkulturerbe: Zitterpartie um den Kölner Dom

Der Kölner Dom wird vorerst nicht als Unesco-Weltkulturerbe gestrichen, verbleibt aber auf der roten Liste. Der Oberbürgermeister will dennoch auf den Bau von Hochhäusern nicht verzichten.

Der Kölner Dom bleibt aus Sicht der Unesco vorerst bedrohtes Weltkulturerbe. Das Welterbekomitee der UN-Organisation beschloss am Mittwoch bei seiner Konferenz im südafrikanischen Durban, auf seiner nächsten Tagung im Sommer 2006 erneut über den Status des Doms zu beraten, wie die Unesco in Bonn mitteilte. Die Gefahr, dass der Kölner Dom als erste Welterbestätte überhaupt von der Liste gestrichen werde, sei damit vorerst gebannt.

Die Organisation der Vereinten Nationen hatte das Kölner Wahrzeichen im vergangenen Jahr auf die rote Liste der bedrohten Kulturgüter gesetzt. Die Unesco kritisiert, dass ein bereits fertig gestelltes sowie weitere geplante Hochhäuser auf der gegenüberliegenden rechten Rheinseite die Wirkung der Kathedrale im Stadtpanorama beeinträchtigen.

Unesco gibt Köln noch eine Chance

Das Welterbekomitee gebe der Stadt Köln Gelegenheit, ihre Hochhauspläne nachzubessern, erklärte die UNESCO. Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma deutete jedoch an, dass man nicht bereit sei, auf den Bau weiterer Hochhäuser zu verzichten. Der CDU-Politiker zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung. Die Stadt habe auf Grund der Unesco-Kritik umfangreiche Schutzmaßnahmen für den Dom beschlossen, betonte er. Als Oberbürgermeister müsse er aber sowohl diesen Schutz als auch die wirtschaftliche Zukunft der Bürger sichern. "Da unterscheiden sich die Aufgaben der Stadt von denen der Unesco, deren Aufgabe naturgemäß eine isolierte Vorgehensweise ist."

In der Konferenz sei offenbar von der Stadt gefordert worden, auf jegliche weitere Hochhäuser in der Umgebung zu verzichten, sagte Schramma. "Dies wäre nicht nur ein fundamentaler Eingriff in die Stadtplanung und wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt, sondern steht auch im krassen Widerspruch zu den mit breiter Mehrheit im Stadtparlament beschlossenen Zukunftsperspektiven", kritisierte der Oberbürgermeister.

Die Bundesregierung begrüßte dagegen die Unesco-Entscheidung. Eine Streichung hätte das Ansehen der Bundesrepublik als Vertragsstaat schwer beschädigt, erklärte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller. Die Entscheidung gebe den Verantwortlichen eine letzte Gelegenheit, eine akzeptable Lösung zu finden. Das Auswärtige Amt werde weiterhin dazu beitragen, zusammen mit allen Beteiligten erforderliche Maßnahmen zu ergreifen, betonte die Grünen-Politikerin.

AP / AP