Am zentralen Jesus-Turm der Sagrada Família in Barcelona laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Pünktlich zum 100. Todestag von Antoni Gaudí am 10. Juni 2026 soll der höchste Turm seines architektonischen Meisterwerks fertig sein und die Basilika mit 172,5 Metern zur höchsten Kirche der Welt machen.
Bereits Ende Oktober überragte sie mit der Anbringung des unteren Arms des Turmkreuzes den bisherigen Rekordhalter, das Ulmer Münster. Natürlich wird die architektonisch einzigartige Basilika selbst in diesem Jahr nach 144 Jahren Bauzeit immer noch nicht ganz vollendet sein. Vor allem die Arbeiten am Haupteingang der Gloria-Fassade, für dessen Gestaltung die beiden spanischen Künstler Miquel Barceló und Cristina Iglesias sowie der Mexikaner Javier Marín im Gespräch sind, dürften noch mindestens bis 2034 andauern.
Barcelona bietet großes Veranstaltungsprogramm zu Gaudí
Barcelona, das auch mit Blick auf die Jubiläumsfeiern für Gaudí von der UNESCO zur »Welthauptstadt der Architektur 2026« ernannt wurde, würdigt seinen bedeutendsten Vertreter des Modernisme, der katalanischen Variante des Jugendstils, dabei mit einem groß angelegten Veranstaltungsprogramm. Neben Konzerten, Theateraufführungen, Buchveröffentlichungen und Architekturkonferenzen finden auch zahlreiche Ausstellungen zu Gaudís Werk statt.
Bis Mai zeigt im Inneren der Basilika eine Schau mit Fotografien und Modellen die Bauarbeiten zu Gaudís Zeiten. Ab Ende Januar interpretiert das Künstlerkollektiv United Visual Artists (UVA) des Briten Matt Clark in Gaudís berühmter Casa Batlló mit ihren Digitalwerken Gaudís architektonisches Erbe. Jährlich sollen zwei Kunstausstellungen in der im zweiten Stockwerk neu eröffneten Casa Batlló Contemporary-Galerie zu Gaudí stattfinden. Zudem werden UVA Lichtkunst an die Hausfassade projizieren.
Gaudís: Seligsprechung des Papstes zum Todestag?
Zwischen April und September finden Fotoausstellungen statt, die die Konstruktion zahlreicher Gaudí-Bauten und ihre Beziehung zur Stadt und zur Bevölkerung beschreiben, darunter »Die Sagrada Família und Barcelona, 144 Jahre gemeinsame Reise« in den Jardines del Palau Robert oder in Gaudís modernistischem Bau Sant Pau, für dessen Skulpturen der Architekt Anwohner aus dem Stadtviertel als Modelle nahm. Gaudís Park Güell feiert sein 100-jähriges Bestehen.
Das Museu d’Història de Catalunya beschreibt in einer immersiven Ausstellung die Arbeitsweise und Gestaltungsprinzipien des Visionärs. Im Rahmen des »Welthauptstadt der Architektur«-Programms finden im Juni und Juli der Internationale Gaudí-Kongress in der vom Meister gestalteten La Pedrera statt – sowie zahlreiche Konferenzen und Ausstellungen, die den Städtebau Barcelonas über 150 Jahre nachzeichnen. Ende Juni beginnt parallel auch der World Congress of Architects (UIA).
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Doch der eigentliche Protagonist wird natürlich auch hier der Meisterarchitekt selber sein. Zu Gaudís Todestag am 10. Juni rechnet man mit der Seligsprechung des »Ehrwürdigen« und dem Besuch des Papstes. Eine anschließende Heiligsprechung ist wahrscheinlich. Gaudí wäre damit der erste »heilige« Architekt der katholischen Kirche.