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Trotz Armut große Gastfreundschaft: São Tomé: Das unerwartete Surferparadies vor Afrikas Küste

Eigentlich spielte Fotograf Christoph Jorda nur das Spiel "Wo liegt das?" auf seinem Smartphone. Per Zufall fand er so die afrikanische Insel São Tomé. Damit stand das Ziel für sein nächstes Surfabenteuer fest - und für "den schönsten Urlaub, den er je gemacht hat".

Frauen waschen ihre Wäsche in einem Fluss in der Nähe des Dorfs Agua Ize. Die nasse Wäsche wird anschließend auf den schwarzen, heißen Steinen am Strand von Praia Ize zum Trocknen ausgelegt.

Frauen waschen ihre Wäsche in einem Fluss in der Nähe des Dorfs Agua Ize. Die nasse Wäsche wird anschließend auf den schwarzen, heißen Steinen am Strand von Praia Ize zum Trocknen ausgelegt.

Einen ungewöhnlichen Ausweg hatte Fotograf Christoph Jorda für seine Urlaubsplanung gefunden. Als er mit einer App, bei der man schätzen muss, wo sich ein bestimmtes Land auf der Weltkarte befindet, herumspielt, passiert es. "Ich hatte eigentlich ein anderes Land gesucht, den Pin falsch gesetzt und bin in São Tomé rausgekommen", erzählt er dem Onlinemagazin "Outville"

Per Zufall zum Urlaubsziel?

Die meisten Menschen würden wohl nie auf die Idee kommen, an einem vollkommen fremden Ort Urlaub zu machen, doch der leidenschaftliche Surfer tickt anders. Nachdem er im Internet über den Ort recherchierte und nicht besonders viele Informationen fand, war sein Interesse geweckt. Schon lange zog es ihn zum Wellenreiten und Fotografieren eher in Tourismusferne Länder und Städte: "Ich habe es unfassbar dick, wenn 40 Leute im Wasser sitzen und sich um eine Welle kloppen. Das ist für mich nicht der Surfspirit", sagt er. "Auf den habe ich das ganz anders kennenlernen dürfen. Da gibt es zwölf Peaks auf zwei Kilometern Länge und furchtbar nette Locals [Einheimische], die dir genau erklären, wo du hin musst."

Tomé ist die Hauptstadt des Inselstaates São Tomé und Príncipe, der im Golf von Guinea 200 Kilometer vor der Küste Afrikas westlich vor Äquatorialguinea und Gabun liegt. Nach den Seychellen sind die beiden Inseln der zweitkleinste Staat Afrikas. 1975 erlangte der Inselstaat die Unabhängigkeit von Portugal.

In den Süden der Insel São Tomé verschlug es Christoph Jorda und seine Freundin. Dort buchten sie sich eine Bambushütte. "Das war gleich der Jackpot, rundherum nur Strand und ein Beachbreak, der ganz ok war. Was wir in unserer gebuchten Halbpension auf den Tisch bekamen, kam direkt frisch aus Urwald oder dem Ozean", schwärmt er.

Ein Weißer mit einem Surfbrett

Zum Surfen liefen die beiden in ein benachbartes Fischerdorf mit 300 Einwohnern - ein Abenteuer wie der Fotograf sagt. "Ich weiß nicht, wann die Leute das letzte Mal einen Weißen gesehen haben", erzählt er. "Und dann auch noch einen Weißen mit einem Surfbrett. Auf der ganzen Insel gibt es vielleicht fünf oder sechs Surfbretter." Die Einheimischen bauen sich aus Bäumen Kanus. "Man fühlt sich 100 Jahre zurückversetzt."

Taxifahren ist in São Tomé nichts für die schwachen Nerven von Europäern. Christoph Jorda erzählt von "der schlimmsten Taxifahrt" seines Lebens: "Wir waren mit einem Minibus unterwegs, in den normalerweise sechs Leute passen, der aber erst losfährt, wenn zwölf Leute drin sitzen." Aber nicht nur überfüllte Autos sind das Problem. "Alle trinken Palmwein, den gibt es dort für vielleicht 50 Cent – auch der Fahrer." StVO hin oder her: "Irgendwann fangen alle an zu singen, denn ein Taxi ist umso besser, je lauter die Musik ist. Alles an Technik ist rausgebaut, überall sind Boxen."

"Der schönste Urlaub, den ich je gemacht habe"

"Weil alle gleich arm sind, gibt es keine Kriminalität. Du läufst zum Beispiel allein durch den Dschungel und plötzlich kommen dir vier riesengroße, schwarze Jugendliche mit Macheten entgegen. Du kannst nichts dagegen tun, dein Instinkt sagt: Vorsicht! Aber sie schenken dir eine Kokosnuss und zeigen dir mit Händen und Füßen, wo vielleicht eine Welle sein könnte", erzählt er.

"Ich habe meine Fotoausrüstung immer am Strand gelassen, wenn wir zu zweit im Wasser waren. Als wir rauskamen, war sie noch da. Mehr noch: Es saßen dann Jugendliche drumherum und haben freundlich gefragt, ob sie einmal mit einem echten Surfbrett surfen dürften. Für mich war es der schönste Urlaub, den ich je gemacht habe. Ich habe nicht viel erwartet und wurde überrascht."

Weitere eindrucksvolle Fotoreportagen von Christoph Jorda finden Sie in der VIEW Fotocommmunity oder auf seiner Webseite.

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