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Bier gewinnt: Ohne Ausweis kein Bier – auch mit 58 Jahren

Ich bin im vergangenen Jahr 30 geworden und zu dieser Gelegenheit stellen sich andere Menschen gerne den wichtigen Fragen des Älterwerdens. Ich dagegen fragte mich vor allem eines: Wird man mich auch mit Ü30 beim Bierkaufen noch nach meinem Ausweis fragen? Bierverkäufer, gerade die jungen und unerfahrenen, haben nämlich so eine Tendenz mich immer genau dann mit der Frage nach meinem Ausweis zu überraschen, wenn ich felsenfest davon überzeugt bin, dass mir das in meinem Alter bestimmt nicht mehr passieren werde.

Da ich auch von anderen Menschen regelmäßig jünger geschätzt werde, habe ich es Bierverkäufern auch mit Mitte 20 nicht übel genommen, wenn sie mal gefragt haben. Schließlich waren sie es, die nach einem Blick auf meinen Ausweis peinlich berührt zum Zapfhahn eilten. Aber irgendwann muss auch dieser Spaß ja mal aufhören. Oder etwa nicht?

Die Antwort hat mir nun Philip Lewis gegeben, über den ich gestern in der "Daily Mail" las. Philip Lewis lebt in Radstock, was in der englischen Grafschaft Somerset liegt. Lewis hat eine ziemlich hohe Stirn, seine verbliebenen Haare sind ergraut, dafür trägt er einen stattlichen Schnäuzer. Man könnte sagen: Seine 58 Jahre sieht man ihm durchaus an. Ich jedenfalls hätte ihm ohne zu zögern sein Feierabendbier verkauft, ohne nach einem Ausweis zu fragen.

Der Verkäufer einer Esso-Tankstelle war da anders drauf. Er verlangte, dass sich Herr Lewis ausweist. Und da dieser keine Dokumente mit sich führte, musste er wohl oder übel die vier Dosen Bier wieder ins Regal zurückstellen. Angesichts der Kassenschlange, die das Schauspiel verfolgte, habe er sich ziemlich erniedrigt gefühlt, sagte Lewis der "Daily Mail". Seine Empörung war umso größer, da er einer der besten Kunden genau dieser Tankstelle ist. Geschätzte 2000 Pfund im Jahr lasse er für Benzin und Zeitschriften in der Esso-Tanke erzählte der gekränkte Mann. Das Bier für seinen 59. Geburtstag im Juni wird er sich wohl woanders kaufen, auch wenn sich die Tankstelle mittlerweile öffentlich entschuldigte.

Die Esso-Tankstelle in Somerset hat nun einen Stammkunden weniger. Und ich bin um die Erkenntnis reicher, dass ich auch in den kommenden Jahrzehnten beim Bierkaufen auf alles gefasst sein sollte.