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Bier gewinnt: Warum Kölsch das beste Bier der Welt ist

Credit: Wolfgang Von Brauchitsch/Getty Images

"Seid gegrüßt, Freunde des edlen Hopfens!"

So begann eine der vielen netten Mails, die wir als Reaktion auf unseren Blogstart bekommen haben, und ich fand diese Anrede ziemlich charmant. Ja, wir haben wirklich viele nette Mails bekommen mit vielen Hinweisen auf tolle Biere. Sogar Geheimtipps aus Ostafrika und der klägliche Versuch eines PR-Manns, uns mit polnischem Freibier zu bestechen, waren dabei.

Liebe Freunde des edlen Hopfens! Ich möchte euch ermuntern, uns auch weiterhin eure Biertipps und Bestechungsversuche zu schicken. Wir freuen uns über jede einzelne Nachricht. Aber eines muss ich doch an dieser Stelle einmal unmissverständlich klar stellen. Das beste Bier der Welt ist natürlich Kölsch. Von dieser Überzeugung werdet ihr mich in diesem Bierbloggerleben auch mit noch so charmanten Mails nicht abbringen können.

Und weil diese Woche Karneval ist und ich in die Heimat fahre, fühle ich mich genau in der richtigen Stimmung, euch zu erklären, warum das so ist. Kölsch ist nämlich nicht nur ein Bier. Sondern eher so etwas wie eine Religion. Und wenn ich auch sonst nicht viel von Religion verstehe, so kenne ich doch die Grundregel: Die eigene Religion ist immer die beste! Ganz egal, wie sehr sich die anderen Götter auch anstrengen. Ist halt eine Prinzipiensache.

*repräsentative Umfrage in einer Kölsch-Kneipe

Ich bin in der Gemeinde der Kölschtrinker groß geworden. Mir schmeckt Kölsch. Ich verbinde es mit vielen schönen Situationen in meinem Leben (und an die paar weniger schönen erinnere ich mich dank Kölsch zum Glück nicht). Die 0,2-Liter-Stange, frisch gezapft, ist für mich Bierhochkultur. Sollen die anderen doch aus Humpen oder Eimern oder was auch immer trinken.

Wenn jemand behauptet, Kölsch schmecke wie Fanta oder Wasser, lässt mich das kalt. Denn ich weiß ja, es stimmt nicht. Wenn jemand nörgelt, die Gläser seien ihm zu klein, mir doch egal, er hat den Kult halt nicht verstanden, der Ungläubige. Wobei ich kein Kölsch-Fundamentalist bin. Ich lasse jedem sein Lieblingsbier, ich trinke selbst alle möglichen Biere gerne, nur dann eben ohne kultische Verehrung.

Nee, werden jetzt manche sagen, Kölsch, sowas wie eine Religion? Der ist doch betrunken der Mann - und das ist angesichts der närrischen Jahreszeit eine durchaus plausible Vermutung. Aber auch ganz nüchtern betrachtet sind die Parallelen doch offensichtlich.

Wir haben sowas wie die zehn Gebote, nur dass es natürlich elf sind.

Wir haben ein kultisches Oberhaupt: das Dreigestirn.

Wir haben Heilige wie Willy Millowitsch und Prinz Poldi

Wir haben religiöse Feiertage wie Rosenmontag

Wir haben Kathedralen des Bieres (Brauhäuser) und Kapellen am Wegesrand (Büdchen).

Wir lieben den Nächsten - so sehr, dass wir ihn auch vollquatschen, wenn er uns völlig fremd ist.

Wir helfen Bedürftigen, indem wir eine Runde geben ("Drink doch ene met")

Genug geschwafelt? Sie dachten, hier geht’s um Bier und nicht um Theologie? Na gut. Hier sind noch zehn vollkommen säkulare Argumente:

  1. Kölsch ist die einzige Sprache, die man trinken kann - und die man immer besser spricht, je mehr man intus hat
  2. In einem kölschen Brauhaus bekommt man ungefragt ein neues Bier, wenn das Glas leer ist.
  3. In der Zeit, in der ein Sieben-Minuten-Pils gezapft wird, hat man sein erstes Kölsch schon getrunken und das zweite vor sich.
  4. Nur mit Kölsch kann man Siege der Kölner Haie und Aufstiege des 1. FC Köln angemessen feiern.
  5. Nur mit Kölsch kann man Niederlagen der Kölner Haie und Abstiege des 1. FC Köln ausreichend verarbeiten.
  6. Weil die Gläser so klein sind, kann ständig jemand eine Runde geben, das ist äußerst gesellig.
  7. Die Jagd nach einem Kasten Ramsdorfer Kölsch kann äußerst lustig werden
  8. Wir brauchen keinen Oberbürgermeister, der das Fass o'zapft. Wir können das selber.
  9. Sein Bier "Kölsch" zu nennen ist eindeutig cooler als es als "Alt" zu bezeichnen.
  10. Und das Beste: Wenn man Kölsch als das beste Bier der Welt lobt, kann man sich sicher sein, kontroverse Diskussionen auszulösen.

In diesem Sinne: Alaaf!

Youtube-Tipp: Aktuelles Musikvideo von Miljö, in dem auch Kölsch in der Kirche vorkommt