HOME

Bier gewinnt: Die Tricks der Bier-Panscher

Nur Hopfen, Wasser und Malz gehört ins Bier, so verfügte es der bayerische Herzog Wilhelm IV. am 23. April 1516 in Ingolstadt. Und noch heute, fast 500 Jahre später, werden die meisten Biertrinker das Reinheitsgebot mit einem zustimmenden Prost kommentieren. Der Deutsche ist nunmal mächtig stolz auf sein Bier. Dabei ist von den Plänen des alten Wilhelms gar nicht mehr viel übrig, wie das ZDF heute Abend zur PrimeTime um 20.15 Uhr zeigt.

Denn: Neben Hopfen, Wasser, Gerste und Malz tummeln sich zeitweise noch bis zu 60 weitere Helferlein im alkoholischen Lieblingsgetränk der Deutschen - darunter auch exotische Zutaten wie Algenmehl, Blausäure, Gelatine und Zucker. Doch was hat dieses Zeug eigentlich im Bier zu suchen?

Welche Tricks die Industrie mittlerweile drauf hat, zeigt der Lebensmittelchemiker Sebastian Lege eindrucksvoll in dem ZDF-Beitrag, in dem er einem handelsüblichen Pils in wenigen Minuten die Optik eines dunklen Bockbiers verleiht. Dafür nimmt er zunächst weißen Zucker und mischt diesen mit Natron und Essig, anschließend wird die Menge in einem Topf erhitzt. Nach wenigen Minuten entsteht eine dunkle, braune Brühe, die sogenannte Zuckercouleur. Schon ein paar Tropfen davon reichen, um einen ganzen Liter Bier dunkel zu färben. Der Sud wird anschließend mit normalem Wasser gestreckt, um ihn besser dosieren zu können, außerdem verteilt sich die Farbe so besser im Bier.

Und tatsächlich: "Mit ein paar Tropfen haben wir aus einem hellen Bier ein dunkles Bier gezaubert, was als Starkbier, Malzbier verkauft werden könnte", erklärt Lege. Bei dunklen Sorten wie Bock oder Malzbier darf die Industrie ganz legal mit Zuckercouleur nachhelfen. Auch Star-Koch Nelson Müller ist empört: "Deutsches Bier wird immer noch mit dem Reinheitsgebot von 1516 beworben. Ich würde sagen, das ist sehr geschicktes Marketing."

Immerhin: Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoffe sind im Bier made in Germany nach wie vor tabu. Das Reinheitsgebot mag überholt sein, Chemie kommt darin trotzdem nicht vor.

Der vollständige Beitrag läuft am 27. Januar um 20.15 Uhr im ZDF. Alternativ kann er auch hier in der Mediathek angesehen werden.