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Teil 12: Die Frucht der Anden

Wie der Trainer den Sportler durch Härte zur Höchstleistung bringt, so lassen die extremen Klima- und Bodenbedingungen in den Anden die gute, alte Viognier-Rebe zur Hochform auflaufen.

Argentinien, Wein 1

Der Typ

Neue Chancen für alte Reben

ABC! Anything but Chardonnay - Alles, bloß kein Chardonnay, lautet der Schlachtruf der Chardonnay- Gegner. Sie wollen Abwechslung vom Allerweltsweißweingesicht mit seinem ewig gleichen Aromen-Make-up aus Melone, Banane, Vanille und Ananas. "Don't cry for me, Argentina!", singt der Chardonnay jetzt auch am Fuße der Anden, wo er zwar immer noch massenhaft wächst, aber eben in abnehmender Masse. Die argentinischen Weingüter können mit ihrem Chardonnay im internationalen Konzert nicht mehr mitfiedeln, weil die Konkurrenz einfach zu groß und oft auch besser ist. So bauen sie seit einigen Jahren eine weiße Rebsorte an, deren Namen kaum einer kennt: Viognier.

Warum den Nobody? Weil kein Image zu haben in der Weinwelt immer noch besser ist als ein negatives. Und also emanzipieren sich die Weingüter vom Chardonnay, indem sie auf die kaum bekannte Sorte von Frankreichs Rhône setzen. Dort, vor allem im Condrieu, ringen die Winzer dem Viognier außergewöhnliche Weine ab, die extrem voluminös, aber auch extrem floral und feinfruchtig ausfallen. An der Rhône war das feinsinnige Schwergewicht fast ausgestorben, doch vor einigen Jahren startete es von dort aus sein Comeback.

Und in Argentinien erst!

Dass die Winzer in der Post-Chardonnay-Ära dort nach besseren Rebsorten suchten, fügte sich glücklich, denn Lage und Klima der Andenhänge sind für den Viognier Spitze: viel Sonnenschein, Schmelzwasser von den Bergen, starke Temperaturschwankungen und gut drainierte Böden. Letztere sind einerseits ein Vorteil - Wein hasst nasse Füße - und andererseits ein Nachteil: Wenn man das Wasser braucht, ist es nicht da, darum muss künstlich bewässert werden. Das extrem trockene Klima in Argentinien bedeutet aber auch, dass der Mehltau dort praktisch unbekannt ist, schließlich kann er sich in trockener Luft kaum entwickeln. Das sorgt für sehr gleichmäßige Erträge.

Unser Wein stammt vom Weingut Fincas Las Moras in der Region San Juan. Die ist mit rund 50 000 Hektar Argentiniens zweitgrößtes Anbaugebiet, nach Mendoza. Bislang stand der Name San Juan für die Produktion von Wein im Großmaßstab, doch Fincas wie Las Moras fahren die Erntemengen zurück und produzieren in den bis zu 650 Meter hoch gelegenen Flächen wunderbaren Wein wie unseren Viognier. Den Mut zum Abschied vom Chardonnay belohnt diese Sorte mit einem reinen Duft von weißen Blüten und reifen Aprikosen. Im Mund breitet der Wein kräftige Schwingen aus und segelt langsam davon.

Der Wein

Viognier, Finca Las Moras 2007

Stil: Weißwein der Rebsorte Viognier. Ausbau im Stahltank, zu 20 Prozent auch in Barriques
Farbe: helles Gelb mit grünlichen Reflexen
Duft: Fliederblüten, Aprikosen, Mirabellen
Geschmack: aromatisch, weich in der Säure, elegant im Aroma und kraftvoll im Alkohol
Herkunft: San Juan
Trinktemperatur: 8 bis 10 Grad
Glas: Weißweinkelch
Trinkzeitpunkt: jetzt
Essen: zu mild gewürzten Speisen, Reis- und Nudelgerichten, Sahnesaucen und Süßwasserfisch

Das Land

Fakten Argentinien

Erster Wein

um 1560, Weinboom durch die Eisenbahn um 1885

Rang 5

der Weltweinproduktion

Weinbau:

24. bis 41. Grad südlicher Breite

Bedeutendste Weinbauregionen:

Mendoza, San Juan

Häufigste Rebsorten:

Weiß: Pedro Giménez, Torrontés, Moscatel
Rot: Bonarda, Malbec, Syrah, Cabernet Rosé: Cereza, Criolla

Wichtigste Exportmärkte:

Russland, USA, Paraguay, der wein Großbritannien

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