Anstelle der nächsten Runde Bier können Gäste einer Stockholmer Kneipe neuerdings auch eine „Bartherapie“ ordern. Seit Anfang April bieten hier Psychologen kostenlose und unverbindliche Gespräche an. Das Pilotprojekt will den Zugang zu professioneller Hilfe erleichtern. Denn ähnlich wie in Deutschland warten Hilfesuchende in Schweden oft monatelang auf einen Therapieplatz.
Zwischen Theke und Therapie
Das Konzept setzt bewusst auf Niedrigschwelligkeit. Lokalgäste können ohne Termin ein erstes Gespräch mit approbierten Psychologen führen – direkt dort, wo persönliche Gespräche ohnehin häufig stattfinden: in der Bar. Im Anschluss können bei Bedarf innerhalb weniger Tage Folgetermine in einer Praxis vereinbart werden. Ziel sei es, „die Schwelle für ein erstes Gespräch über psychische Gesundheit zu senken“, schreibt der Bierhersteller Carlsberg Sverige auf seiner Webseite. Für das Projekt hat sich das Unternehmen mit der Psychotherapieplattform Lägereld und der Bar „Pitcher’s“ zusammengeschlossen.
Parallel werden auch die Mitarbeitenden hinter der Bartheke geschult. Sie sollen lernen, Anzeichen psychischer Belastung zu erkennen, sensibel zu reagieren und Betroffene auf Wunsch an professionelle Stellen zu verweisen. „Barkeeper sollen nicht die Last des Wohlbefindens anderer tragen – brauchen aber Werkzeuge für das, womit sie ohnehin konfrontiert sind“, so Lägereld. Mittlerweile werden die Schulungen auch digital für Barkeeper in ganz Schweden angeboten.
„Bartherapie“ bald nicht nur in Stockholm?
Um den Weg zur Psychotherapie für noch mehr Menschen zu erleichtern, planen die Initiatoren, die Thekentherapie auf weitere Lokale in Stockholm auszuweiten und perspektivisch auch international einzuführen. Ob es die schwedische „Bartherapie“ auch bald in Deutschland geben wird, bleibt abzuwarten.