Geschichte der Medizin Der Historiker Malte Thießen kennt die Argumente von Impfgegnern gut. Viele von ihnen gab es schon vor 300 Jahren

Professor Malte Thießen ist Historiker und Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte in Münster
Professor Malte Thießen ist Historiker und Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte in Münster
© Malte Thießen
Wilde Gerüchte über Nebenwirkungen, Verschwörungstheorien und auch Angriffe auf Ärzte: Wo immer geimpft wurde, gab es auch Kritiker. Und immer wieder auch Gewalt. Malte Thießen erklärt, was uns die Geschichte über Impfpflicht und Impf-Ängste lehrt.

Vor ziemlich genau 300 Jahren flog ein Sprengsatz durch das Fenster des Bostoner Pfarrers Cotton Mather. An der Bombe, die nicht explodierte, fand Mather folgende Nachricht: "Cotton Mather, verdammt seist Du, Du Hund; Ich werde dich damit impfen; die Pocken sollst du haben." Der Pfarrer hatte sich 1721, als in Boston die Pocken wüteten, für eine frühe Form der Schutzimpfung eingesetzt. Schon damals war also nicht jeder begeistert von der Idee einer Impfung...
Tatsächlich ist Impfgegnerschaft so alt wie das Impfen selbst. Wo immer geimpft wurde, gab es Kritiker, mitunter auch militante. Daher sollte es uns auch nicht überraschen, dass wir auch jetzt wieder mit Ablehnung und Verschwörungsmythen zu kämpfen haben. 


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