Eine schwerverletzte Jugendliche, zwei beschädigte Rennräder und ein einkassierter Führerschein: Das ist die Bilanz eines nach derzeitigem Ermittlungsstand absichtlich herbeigeführten Auffahrunfalls in Schleswig-Holstein vom vergangenen Sonntag. Gegen einen 56-jährigen Autofahrer wird nach Angaben der Polizeidirektion Bad Segeberg nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt. Der Führerschein des Mannes sei auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Kiel beschlagnahmt worden, heißt es.
Den bisherigen Ermittlungen zufolge war das spätere Opfer mit sechs anderen Sportlern auf einer Trainingsfahrt unterwegs, als es auf der Landstraße zwischen den Orten Wakendorf II und Wilstedt zu dem Vorfall kam. Laut Polizei fuhr die Jugendtrainingsgruppe aufgrund eines fehlenden seitlichen Radwegs in Doppelreihe auf der Straße. Hinter den Trainierenden befanden sich demnach einige Fahrzeuge, von denen der vorderste Wagen die Gruppe irgendwann mit genug seitlichem Abstand gefahrlos überholt habe.
Autofahrer überholt und bremst abrupt bis zum Stillstand ab
Im Anschluss überholte der 56-Jährige, allerdings passierte er die Gruppe nicht, sondern setzte sich direkt neben die Sportler und „rief ihnen in vorwurfsvoller Weise etwas zu“, wie die Polizei schreibt. Anschließend beschleunigte er und soll dann unmittelbar vor der mit etwa 28 Stundenkilometern fahrenden Gruppe eingeschert sein und diese abrupt bis zum Stillstand ausgebremst haben.
Trotz des nicht vorhersehbaren Bremsmanövers schafften es einige der Radfahrer, dem Pkw auszuweichen. Ein 16-jähriger Hamburger jedoch rutschte weg, stürzte und prallte seitlich mit dem Auto zusammen. Laut Polizei blieb er unverletzt, sein Rennrad nahm Schaden. So viel Glück hatte eine 14‑Jährige aus Hamburg nicht. Sie bemerkte das abrupte Bremsmanöver zu spät, kollidierte mit einer vor ihr fahrenden Teamkollegin und stürzte. Die Jugendliche kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus. Auch ihr Rennrad wurde beschädigt.
Laut Polizeiangaben äußerte sich der 56-jährige Unfallverursacher nicht zum Geschehen. Ihm wurde der Führerschein abgenommen und beschlagnahmt. Gegen ihn wird ermittelt.
Tipps für respektvollen Umgang zwischen Rennrad- und Autofahrern
Die Polizei appelliert in ihrer Pressemitteilung an gegenseitige Rücksichtnahme und Vorsicht. Im Zweifel solle man auch mal auf das eigene Vorfahrtsrecht verzichten. Mit einem Radwegschild versehene Wege seien benutzungspflichtig, das Fahren in Zweierreihe dürfe den übrigen Verkehr nicht behindern oder gefährden.
Immerhin gab es dann auch einen wichtigen Hinweis an Autofahrende: „Überholt werden darf nur mit ausreichendem Sicherheitsabstand. Innerorts beträgt dieser 1,50 Meter, außerhalb geschlossener Ortschaften sogar zwei Meter“, so die Beamten.