Techniker Krankenkasse
Umfrage: Warum die Koordination zwischen Arztpraxen hakt

Die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Facharztpraxen oder Kliniken macht Patienten einer neuen Umfrage zufolge oft Mühe. (S
Die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Facharztpraxen oder Kliniken macht Patienten einer neuen Umfrage zufolge oft Mühe. (Symbolbild) Foto
© Stephan Jansen/dpa

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Erst zum Hausarzt, dann zum Facharzt oder gleich in die Klinik - was so einfach klingt, läuft in der Realität oft nicht reibungslos. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist besonders ärgerlich.

Bei der Zusammenarbeit zwischen Haus- und Facharztpraxen, Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen in Niedersachsen hakt es einer neuen Krankenkassenumfrage zufolge immer wieder. Landesweit sei es bei rund 41 Prozent der Menschen dabei in den vergangenen Jahren mindestens einmal zu Schwierigkeiten gekommen, ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse. Wo es nicht lief, lag es in fast zwei Drittel (64 Prozent) der Fälle an langen Wartezeiten zwischen den einzelnen Terminen für die Behandlung.

63 Prozent der Befragten fehlten eindeutige Ansprechpartner, die Fragen beantworten oder den Fortschritt der Behandlung im Blick behalten, 62 Prozent vermissten Informationen über den nächsten Behandlungsschritt. Oft (61 Prozent) waren wichtige Informationen falsch oder unvollständig, zudem erreichten Informationen die behandelnden Fachkräfte zu spät (60 Prozent). Ein Drittel der Befragten kritisierte zudem unnötige Doppeluntersuchungen. Für die Umfrage wurden im vergangenen Oktober landesweit 501 Menschen im Alter ab 18 Jahren befragt. 

Viele Menschen sind für Primärversorgungssystem

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will mit einem geplanten Sparpaket höhere Krankenkassenbeiträge für mehrere Jahre abwenden. Mit der geplanten Reform sollen die Versicherten in der Regel zuerst zum Hausarzt gehen. Der soll bei Bedarf zum Facharzt überweisen - mit Termin innerhalb eines bestimmten Zeitraums. 

Der Umfrage zufolge befürworten 71 Prozent der Befragten die Idee eines sogenannten Primärversorgungssystems – 30 Prozent bewerten sie demnach als "sehr gut", weitere 41 Prozent als "gut". "Die Umfrage belegt, dass derzeit noch zu viele Menschen ohne zentrale Ansprechperson auskommen und dadurch die Behandlung verzögert wird", mahnte Annette Hempen, die Leiterin der niedersächsischen Landesvertretung der Krankenkasse. 

Konsequente Koordination

Hempen forderte, die Versorgung konsequenter zu koordinieren: "Digitale Lösungen schaffen die notwendige Transparenz im System", sagte sie. Daher solle die elektronische Patientenakte als zentraler Speicher für Diagnosen, Medikationslisten oder Arztberichte flächendeckend in den Behandlungsalltag integriert werden. Ein Primärversorgungssystem werde nur dann reibungslosere Abläufe bewirken, wenn die Versicherten zuerst digital, telefonisch oder am Praxistresen eine medizinische Einschätzung erhielten.

dpa