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Religiöse Debatte Abgeblasene Weihnachtsfeier? Das sagt der Schulleiter des Lüneburger Gymnasiums


Der Schulleiter eines Lüneburger Gymnasiums weist Berichte zurück, eine Weihnachtsfeier an seiner Schule sei aufgrund der Beschwerde einer muslimischen Schülerin verlegt worden. Das Dementi wirft aber Fragen auf.

Das beschauliche Lüneburg steht landesweit in den Schlagzeilen: Die Schulleitung des Gymnasiums Johanneum habe die diesjährige Weihnachtsfeier während des Unterrichts abgesagt - angeblich, weil sich eine muslimische Schülerin im vergangenen Jahr darüber beschwert hat, dass die dort gesungenen christlichen Weihnachtslieder nicht mit ihrem Glauben vereinbar seien. Das berichtete der "NDR". Demnach soll nun eine Feier auf freiwilliger Basis am Nachmittag stattfinden, wie die Schulleitung entschieden habe.

Schulleiter Friedrich Suhr hat die Berichte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) zurückgewiesen. Demnach habe sich zwar eine Schülerin beschwert, jedoch im verpflichtenden Fachunterricht, "als eine Lehrkraft das Singen von Weihnachtsliedern ansetzen wollte." Darüber hinaus falle die Weihnachtsfeier für die Mittelstufe in diesem Jahr aufgrund eines Personalwechsels im Kollegium aus. Es lege "keine grundsätzliche Entscheidung über eine Abschaffung vor", wird Suhr zitiert.

"Hassmails und wütende Leserbriefe"

Die Erklärung des Schulleiters hat allerdings zunächst mehr Fragen aufgeworfen, als sie beantwortet. Etwa, ob die Weihnachtsfeier nun stattfindet oder nicht - und ob diese nur für die Mittelstufe ausfalle. So wird etwa auf der Website des Johanneum Lüneburgs die "Weihnachtsfeier am Johanneum" für den heutigen 20. Dezember um 15.30 Uhr im Hauptgebäude immer noch angekündigt. 

Auf Nachfrage des stern verweist Schulleiter Suhr daher nun auf eine Pressemitteilung - offenbar auch, weil der Medienandrang zu groß geworden ist. So berichtet etwa ein Mitglied des Schulelternrats "Focus Online": "Seit die lokalen Medien erstmals vor zwei Wochen darüber berichtet haben, stehen unsere Telefone nicht mehr still." Man sei von einer Welle an "Hassmails und wütenden Leserbriefen" regelrecht "zugeschüttet" worden. Darunter sollen sich auch Drohungen gegen Schulleitung und Elternrat befinden. 

"Weihnachtsfeier für das nächste Jahr wieder geplant"

"Die Behauptung, eine verpflichtende Weihnachtsfeier des Johanneums sei abgesagt bzw. auf den Nachmittag verlegt worden, weil sich eine muslimische Schülerin beschwert habe, ist unzutreffend.", sagt Schulleiter Suhr. Einerseits, hätten sich Form und Art der Weihnachtsfeiern an dem Gymnasium ohnehin "immer wieder mal verändert". Andererseits - und das scheint der ausschlaggebende Punkt zu sein - komme es "durch einen Personalwechsel im Kollegium" in diesem Jahr nicht zu der Weihnachtsfeier für die Mittelstufe (7. bis 10. Klasse). Für das nächste Jahr sei aber wieder eine geplant. 

"Auf Initiative unserer Oberstufenschülerinnen und -schüler findet in diesem Jahr zusätzlich erstmalig ein Weihnachtsmarkt vor dem Weihnachtskonzert am Nachmittag statt, so Suhr weiter. "Die Teilnahme daran ist freiwillig." Also: Die Weihnachtsfeier für die Mittelstufe fällt flach - eine freiwillige Feier nach der Unterrichtszeit hält als Alternative (für alle) her.

Auch zu der Kritik einer muslimischen Schülerin nimmt Suhr nochmals Stellung. Demnach sei der berichtete Vorfall im "verpflichtenden Fachunterricht entstanden, als eine Lehrkraft das Singen von Weihnachtsliedern ansetzen wollte." Der Vorfall sei dann "Ausgangspunkt für meine Bitte um sensible Handhabung im Pflichtunterricht, die natürlich auch bei Weihnachtsfeiern, die statt Pflichtunterricht verpflichtend für alle stattfinden, nötig ist" gewesen. Und hält fest: "Dies ist ausdrücklich kein generelles Verbot, christliche Lieder in der Schule zu singen." 

In Lüneburg bleiben weiterhin Fragen offen

Auf Nachfrage des stern bei der Landesschulbehörde Niedersachsen, auf die Suhr im Fall weiterer Fragen verweist, bleiben allerdings immer noch Fragen offen. Etwa, in welchem "Pflichtunterricht" sich der Vorfall ereignet habe und welches Weihnachtslied der Stein des Anstoßes war. Wie der "NDR" berichtete, würden im Musikunterricht "keine religiösen Lieder" gesungen werden. Das habe Schulleiter Suhr gesagt.

Wie es überhaupt zu dem "NDR"-Bericht gekommen ist, der neben Suhr auch Vorsitzende des Schulelternrats als Quelle nennt und nach zwei Dementis von Suhr mittlerweile konträr erscheint, ist ebenfalls unklar. Grund dafür könnte im Zweifel eine missverstandene E-Mail von Schulleiter Suhr sein, mutmaßt eine Sprecherin der Landesschulbehörde. Demnach habe Suhr die Weihnachtsfeier aus "aktuellem Anlass" abgesagt. Womit vermutlich der "Personalwechsel im Kollegium" gemeint sein sollte.

fs

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