Mercedes-Benz hat nach extrem guten Geschäftsjahren mit satten Gewinnen vor allem in den vergangenen zwei Jahren deutliche Rückgänge bei wichtigen Finanzkennzahlen verzeichnet. Die erfolgreichen Jahre dürften auch damit zusammenhängen, dass es dem Stuttgarter Autobauer gelungen ist, im Schnitt deutlich mehr Geld pro verkauftem Auto zu erhalten.
Den Umsatz pro verkauftem Pkw konnte Mercedes seit 2019 stark steigern, doch nach dem Höhepunkt 2023 ist der Wert auch hier in den beiden Folgejahren wieder gesunken. Das zeigt eine Auswertung des sogenannten "Average Selling Price" (ASP) durch die Deutsche Presse-Agentur in Stuttgart. Die Finanzkennzahl geht aus Präsentationen zu den Jahreszahlen hervor.
Demnach lag der ASP 2025 bei 68.100 Euro, nach 71.000 Euro im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von vier Prozent. 2019 hatte der ASP noch bei vergleichsweise schmalen 51.000 Euro gelegen. Es folgte ein steiler Anstieg: 2020 kletterte er zunächst auf 55.700 Euro, gefolgt von 67.100 Euro (2021) und 72.900 Euro (2022). 2023 lag er schließlich bei 74.200 Euro.
Was der ASP aussagt und was ihn beeinflusst
Der ASP setze den Umsatz der Pkw-Sparte ins Verhältnis zu deren Absatz, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Es werde ausschließlich das vollkonsolidierte Kerngeschäft betrachtet. Allerdings eigne sich der Wert dem Sprecher zufolge nur bedingt als Indikator dafür, wie sich aus Sicht der Kunden die Preise entwickelt haben.
Die Verkaufspreise seien natürlich ein wesentlicher Faktor, es kämen aber eine Reihe von anderen - teils externen - Faktoren hinzu, wie zum Beispiel Währungseffekte. So könne sich die Kennzahl signifikant verändern, ohne dass sich der tatsächliche Preis für Kunden ändere.
2025 seien die Währungseffekte signifikant gewesen, was einen Teil des Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr erkläre. "Die signifikante Steigerung des Wertes ist vor allem das Resultat einer konsequenten Umsetzung unserer Strategie – unser Fokus liegt klar auf Wertschöpfung statt auf reinem Volumen", teilte der Sprecher mit.
So habe Mercedes den Anteil seiner Top-End-Fahrzeuge, die besonders viel Gewinn abwerfen, signifikant ausgebaut. Zu dieser Kategorie zählen zum Beispiel die S- oder G-Klasse, aber auch AMG oder Maybach. Machten diese 2019 noch circa zehn Prozent des Portfolios aus, lag der Anteil 2025 bei 15 Prozent, wie der Sprecher mitteilte. Gleichzeitig habe Mercedes seine Verkäufe zu höherwertig konfigurierten Fahrzeugen verschoben. Parallel habe Mercedes den Anteil an traditionell margenschwächeren Flotten- und Volumenkanälen bewusst reduziert.
Mercedes habe in den vergangenen Jahren auf eine Luxusstrategie gesetzt und das nun wieder geändert, sagte der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Der Autobauer setze "nun nicht mehr auf Luxus-Pur". Man sehe, dass die Steigerung nach oben Grenzen habe. Er gehe nicht davon aus, dass die Kennzahl in den nächsten Jahren wieder über 70.000 Euro steige, sagte Dudenhöffer.
Gewinneinbruch 2025
Bei dem Dax-Konzern war der Gewinn 2025 um knapp die Hälfte auf 5,3 Milliarden Euro eingebrochen. Zölle, negative Wechselkurseffekte und der intensive Wettbewerb in China hätten die Ergebnisse belastet. Auch der Umsatz und der Absatz waren zurückgegangen. Bereits 2024 hatte Mercedes einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnet. Der Autobauer reagierte und legte ein Sparprogramm auf, um wieder profitabler zu werden.