Mit Hingabe gekämpft, doch vergebens: Die Europa-League-Reise des VfB Stuttgart endet im Achtelfinale. Nach dem 1:2 vor heimischer Kulisse kassierte der DFB-Pokalsieger mit 0:2 (0:1) auch beim FC Porto eine Niederlage. Der VfB verpasste sein erstes Europapokal-Viertelfinale seit fast 30 Jahren, der portugiesische Liga-Spitzenreiter trifft in der nächsten Runde auf Nottingham Forest.
Dem Bundesligisten fehlten in einem teilweise emotionalen Spiel - inklusive einer Roten Karte gegen einen Betreuer der Hausherren (27. Minute) sowie einer Gelb-Roten Karte gegen Stuttgarts Nikolas Nartey (77.) - Cleverness und Effektivität. Schon im Hinspiel spielten diese Faktoren eine Rolle.
Porto hingegen blieb seiner Herangehensweise treu und jubelte letztlich verdient. Vor 40.675 Zuschauern brachte William Gomes (21.) Porto früh in Führung, der eingewechselte Victor Froholdt beseitigte mit einem Traumtor die letzten Zweifel am Weiterkommen (72.).
VfB belohnt sich nicht
Wie "business as usual" fühle sich dieses Duell nicht an, meinte Hoeneß vor dem Spiel und sprach von einem spürbaren Kribbeln bei sich und seiner Mannschaft. "Allein die Tatsache, dass wir ins Viertelfinale einziehen können, ist Motivation genug", hatte der Coach gesagt. Um dieses Ziel zu erreichen, sei eine gute Balance und Geduld notwendig. "Rein theoretisch musst du Rückstände nicht in den ersten zehn Minuten aufholen", so Hoeneß weiter. "Natürlich hilft es aber auch, schon früh ein Momentum zu kreieren."
Auch ohne Nationalspieler Jamie Leweling, der wegen einer Blessur aus dem Liga-Spiel gegen RB Leipzig nicht einmal im Kader stand, gelang es dem VfB durch Jeff Chabots Kopfball (2.) und mit einem Distanzschuss von Chris Führich (8.) die erhofften Akzente zu setzen.
Die Gastgeber schienen ihren Vorsprung derweil verwalten zu wollen. Sie agierten zunächst passiv und gerieten gegen starke Schwaben immer wieder in Bedrängnis. Deniz Undav setzte einen Abschluss neben das Tor - die beste Möglichkeit der Anfangsphase (13.).
Chancenwucher wird bestraft
Die vergebenen Chancen in der Anfangsphase sollten sich rächen. Über Umwege kam der Ball etwas glücklich zu William Gomes, der frei einschob.
Angetrieben von mehreren tausend Fans waren dem VfB auch nach dem Rückschlag die Bemühungen nicht abzusprechen. Die Gäste rannten vor der Pause weiter an und drängten unermüdlich auf den Ausgleich. Doch immer wieder rettete die Porto-Defensive mit einem starken Diogo Costa zwischen den Pfosten.
Auch Wechsel helfen nicht
Nach dem Seitenwechsel agierte Porto etwas aktiver, Stuttgart tat sich nun schwerer in Ballbesitzphasen zu kommen. Das große Manko blieb jedoch die Effizienz: Undav - am Mittag von Bundestrainer Julian Nagelsmann gemeinsam mit drei Club-Kollegen für die anstehenden Länderspiele nominiert - scheiterte am glänzend reagierenden brasilianischen Nationaltorhüter Costa (54.). Fünf Minuten später hob der Torjäger den Ball neben das Tor.
Hoeneß nahm Veränderungen vor, die Wende wurde dadurch allerdings nicht mehr eingeleitet. Im Gegenteil: Froholdt ließ VfB-Torhüter Alexander Nübel keine Abwehrmöglichkeit und Narteys Platzverweis war in der Schlussphase auch keine Hilfe. Die Stuttgarter Fans feierten ihre Mannschaft trotzdem.
Für den VfB geht es nun darum, den Rückschlag schnell zu verarbeiten. In der Liga geht es am Sonntagabend (19.30 Uhr/DAZN) beim FC Augsburg darum, den Champions-League-Platz zu festigen. Dann würde es auch in der kommenden Saison wieder auf internationale Reisen gehen - im besten Fall sogar in der Königsklasse.