Die wirtschaftliche Situation für Milchviehbetriebe wird nach Angaben des Branchenverbandes immer dramatischer. Einbrechende Erzeugerpreise einerseits und deutlich gestiegene Produktionskosten andererseits führten zu existenzgefährdenden Einbußen, warnte Horst Wenk, stellvertretender Geschäftsführer des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) und Fachreferent für Agrarpolitik und Milch.
Diese Entwicklung werde durch den Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel befeuert, "der dazu führt, dass hochwertige, heimische Produkte regelrecht verramscht werden", sagte Wenk der Deutschen Presse-Agentur. Durch "Preisschlachten um den günstigsten Anbieter" hätten sich die Preise für eine Packung Butter wieder in Richtung von einem Euro bewegt.
Die Politik müsse handeln und den Betrieben Perspektiven aufzeigen, etwa durch Abbau von Bürokratie. Zudem müsse sich der Lebensmitteleinzelhandel seiner Verantwortung für die regionale Produktion bewusst werden.
Wie sich die Milchpreise entwickelt haben
2024 und 2025 hätten die Betriebe noch Milchpreise zwischen 50 und 54 Cent je Kilogramm erzielt. Die Milcherzeugerpreise seien bis zum Ende des ersten Quartals in diesem Jahr auf 39 Cent pro Kilogramm "regelrecht abgestürzt", so der LBV-Milchexperte. Hinzu kämen deutlich höhere Betriebsmittelkosten. Vor allem seien durch den Iran-Krieg die Diesel- und Düngemittelpreise gestiegen.
Da die Betriebe auf die gestiegenen Kosten kaum reagieren könnten, sei es entscheidend, dass der Milchpreis möglichst rasch wieder anziehe. Ansonsten werde sich der Strukturwandel weiter beschleunigen. Aktuell gebe es in Baden-Württemberg noch 4.800 Milchviehbetriebe mit rund 300.000 Milchkühen. Im Vergleich zu 2010 habe sich die Zahl der Betriebe mehr als halbiert.