Nach Angaben des Heilbronner Landgerichts haben sie die "Familienehre" verteidigen wollen - und sei es auf Kosten von zwei Menschenleben. Sieben junge Männer verurteilte die Kammer deswegen - die Urteile gegen sechs von ihnen sind nun auch rechtskräftig, wie das Gericht auf Anfrage mitteilte. Nur in einem Fall geht das Verfahren weiter: Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung haben gegen dieses Urteil Revision eingelegt.
Das Landgericht hatte die Männer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein Hauptangeklagter muss wegen versuchten Mordes für fast fünf Jahre ins Gefängnis. Weitere fünf Mitangeklagte wurden als Komplizen zu zweieinhalb bis dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Urteil gegen einen weiteren Angeklagten zu viereinhalb Jahren Haft wegen versuchten Totschlags wird nun angefochten.
Bei Überfall teils maskiert
Nach Überzeugung der Kammer hatten die damals jungen Männer im September 2024 versucht, einen 18-Jährigen und dessen Vater zu töten, angeblich "um die Familienehre zu retten", wie das Gericht mitteilte. So wollten sie das junge Opfer zwingen, sich von der Schwester eines der Hauptangeklagten fernzuhalten. Anlass für den Überfall war demnach ein gemeinsamer Spaziergang der Schwester des Hauptangeklagten mit dem Sohn der Familie am Nachmittag des Tattages gewesen, den der Täter missbilligte.
Die Gruppe war beim Überfall teils maskiert und mit Messern, Schlagwerkzeugen und Pfefferspray bewaffnet, als sie die Wohnung der Familie angriff.
Mit dem Schuldspruch und den verhängten Strafen folgte die Kammer bei der Entscheidung am Mittwoch vergangener Woche weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft. In dem ausgesprochen aufwendigen Verfahren war neun Monate lang an 27 Tagen verhandelt worden, 56 Zeugen wurden vernommen und drei Sachverständige gehört.