Tennis
"Sport verbindet": Switolina bringt Freude in die Ukraine

Jelina Switolina möchte mit ihren Erfolgen ihren Landsleuten eine Freude bereiten. Foto: Marijan Murat/dpa
Jelina Switolina möchte mit ihren Erfolgen ihren Landsleuten eine Freude bereiten. Foto
© Marijan Murat/dpa
Die ukrainische Tennisspielerin Jelina Switolina steht nach zwei Siegen im Halbfinale von Stuttgart. Ihre Erfolge sollen auch den Menschen in der vom Krieg gebeutelten Ukraine eine Freude bereiten.

Lächelnd klopfte sich die ukrainische Tennisspielerin Jelina Switolina auf ihr Herz. Die Weltklasse-Athletin freute sich nach dem 7:6 (7:2), 7:5 gegen die Tschechin Linda Noskova über ihren Halbfinaleinzug beim hochkarätig besetzten Sandplatzturnier in Stuttgart. Auf dem Tennisplatz spielt sie aber um mehr als für ihre persönlichen sportlichen Erfolge. Mit ihren Siegen möchte Switolina ihren Landsleuten in der vom Krieg gebeutelten Ukraine eine schöne Ablenkung bereiten. 

"Ich glaube, dass der Sport uns verbindet. Das ist etwas Wunderbares", berichtete die Australian-Open-Halbfinalistin bei ihrer Teilnahme in der Porsche Arena. "Wenn Krieg herrscht, ist es natürlich schwer, den Alltag wie gewohnt zu bewältigen und jeden Tag Angriffen ausgesetzt zu sein. Deshalb ist es schön, ihnen gute Nachrichten und einige Siege zu bescheren."

Fans unterstützen Switolina mit ukrainischen Fahnen in Stuttgart

Das gelang ihr mit ihrem Viertelfinalerfolg. Zur Unterstützung hingen ukrainische Flaggen auf der Tribüne, als sie sich zwei engen Sätzen behauptete. Dabei bewahrte sie im Tiebreak des ersten Abschnitts die Nerven und steckte im zweiten Durchgang erfolgreich eine Enttäuschung weg. 

Die Weltranglisten-Siebte führte schon mit 5:2, schlug bei 5:3 zum Matchgewinn auf - und musste dann doch noch zittern. Mit ihrem Kämpferherz entschied sie die Partie für sich. "Für mich ist es wichtig, mein Bestes zu geben", sagte die 31-Jährige beim Siegerinterview auf dem Platz. 

Die Bilder von Leid und Zerstörung treiben sie an. Und der Krieg begleitet sie immer und überall - vor allem in und nach Matches gegen Gegnerinnen aus Russland oder Belarus. Für Switolina kommt es nicht infrage, Spielerinnen aus diesen Ländern nach einem Spiel - wie im Tennis üblich - die Hand zu schütteln.

Reise in die Heimat mit Strapazen und Sicherheitsrisiko

Bei ihrem Stuttgarter Halbfinaleinzug war sie der Situation bisher nicht ausgesetzt und wird es auch am Samstag nicht sein. Im Achtelfinale hatte Switolina der Hamburgerin Eva Lys, die in der ukrainischen Hauptstadt Kiew geboren wurde, beim 6:1, 6:0 keine Chance gelassen. Nun spielt sie am Samstag gegen Noskovas Landsfrau Karolina Muchova darum, erstmals das Endspiel des Turniers zu erreichen.

Trotz des Krieges und des Sicherheitsrisikos reist Switolina in ihre Heimat, beispielsweise wenn sie sie für junge Tennis-Talente einsetzt. Und ihr liegt es am Herzen ihre Großmutter zu besuchen. "Ich bin manchmal 12 oder 15 Stunden unterwegs", schilderte die Bronzemedaillen-Gewinnerin von Tokio die Strapazen. "Zuerst fahre ich nach Warschau und dann noch mal etwa 10 oder 12 Stunden mit dem Auto nach Kiew. Natürlich gehe ich ein Risiko ein. Ich habe großes Glück, einen verständnisvollen Ehemann zu haben, der mich in mein Heimatland zurückkehren lässt."

Verheiratet ist Switolina mit dem französischen Tennisprofi Gael Monfils, die beiden haben eine dreijährige Tochter. So meistert sie auch den Spagat in den unterschiedlichen Rollen als Mutter, Ehefrau und Tennisprofi. Im Februar schaffte sie das Kunststück, als Mutter in die Top Ten der Welt zurückzukehren.

Das soll nicht alles sein. Sie strebe weiterhin ihren ersten Grand-Slam-Sieg an, sagte Switolina. Doch erst einmal geht es für sie um den Einzug ins Endspiel von Stuttgart.

dpa