Bisher ungelöster Altfall
Angeklagter gesteht Tötung von Maria vor mehr als 41 Jahren

Der Angeklagte habe die junge Frau während eines Streits im Affekt getötet, sagte die Anwältin. Foto: Daniel Löb/dpa
Der Angeklagte habe die junge Frau während eines Streits im Affekt getötet, sagte die Anwältin. Foto
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Ein Netzschal, ein Streit, eine Flucht ins Ausland: Jahrzehntelang bleibt der Tod der 19-jährigen Maria ungeklärt. Bis Altfall-Ermittler dem mutmaßlichen Täter auf die Spur kommen.

Fast 42 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der 19-jährigen Maria in Aschaffenburg hat der mutmaßliche Täter das Verbrechen gestanden. "Es tut ihm sehr leid, dazu steht er auch", sagte die Verteidigerin des 67-Jährigen, Diane Waterstradt, zu Prozessauftakt vor dem Landgericht Aschaffenburg.

Er habe die junge Frau im Rahmen eines Streits getötet, im Affekt. "Mein Mandant war damals sehr verletzt, aber nicht übermäßig eifersüchtig", sagte die Anwältin. "Er war vorher und nachher auch nie gewalttätig." Die Motive, die die Anklage annehme, lägen nicht vor. 

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte bei der Tat am 30. Juli 1984 heimtückisch gehandelt hat, aus Eifersucht und Rache. Für den Mordprozess sind fünf Verhandlungstage bis Ende Juni angesetzt. Dem staatenlosen Verdächtigen droht bei einer Verurteilung wegen Mordes eine lebenslange Haftstrafe - alle anderen Straftaten wie Totschlag sind verjährt.

Beschimpfungen und Beleidigungen

"Die Geschädigte Maria Köhler machte dem Angeklagten deutlich, dass die Beziehung beendet sei und dass er sie nicht mehr besuchen solle", sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Bundschuh bei der Anklageverlesung. "Hierauf entwickelte sich zwischen den beiden ein Streit mit wechselseitigen Beschimpfungen und Beleidigungen, möglicherweise auch mit Ohrfeigen."

Danach soll alles ganz schnell gegangen sein. "Spätestens in dieser Situation fasste der Angeklagte den Entschluss, die Geschädigte Maria Köhler zu töten", so Bundschuh. Der damals 25-Jährige soll sich in seiner Wut den Netzschal seiner Ex-Freundin geschnappt und die junge Frau damit stranguliert haben. 

"Der Angeklagte handelte aus einer krassen, übersteigerten und jeglichen nachvollziehbaren Grund entbehrenden Eifersucht, weil die Geschädigte Maria Köhler sich einem anderen Mann (...) zugewandt hatte", ist der Ankläger überzeugt. Zudem habe er sich rächen wollen, weil das Opfer ihm nicht durch eine Heirat zu einem Aufenthaltstitel in Deutschland verholfen habe.

Jahrzehntelange Suche

Seit der Tat hatte die Polizei vermutet, dass der damalige Ex-Freund der mutmaßliche Täter ist - allerdings konnte er jahrzehntelang nicht gefasst werden. Die 19-Jährige hatte sich vor ihrem Tod von dem damals 25-Jährigen getrennt und hatte einen neuen Freund, einen im hessischen Hanau stationierten US-Soldaten.

Der Verdächtige floh nach der Tat von Frankfurt/Main aus in die Türkei, wo er geboren wurde. Zwei Tage später wurde das Opfer von einer Vorgesetzten in einem Wohnheim für angehende Krankenschwestern tot gefunden.

Ende 2024 nahmen sich Altfall-Ermittler das ungelöste Verbrechen wieder vor und fanden den Mann in der Türkei.

dpa