Die 2.800 mitgereisten Fans waren entsetzt. Sie pfiffen die vor der Gästetribüne versammelte Mannschaft nach dem Abpfiff gnadenlos aus. 1:0 hatte Hertha BSC im letzten Saisonspiel der 2. Fußball-Bundesliga bei Arminia Bielefeld trotz einiger Ausfälle nach einer guten ersten Halbzeit noch geführt. Doch dann brach das Berliner Team auseinander, kassierte in den zweiten 45 Minuten sechs Gegentreffer, verlor mit 1:6 und stand ernüchtert vor dem Fanblock.
"Die zweite Halbzeit war furchtbar schlecht", sagte Innenverteidiger Niklas Kolbe selbstkritisch. "Mir ist unerklärlich, wie wir uns nach der Pause vor 3.000 mitgereisten Fans derart aufgeben konnten."
Die nervösen Bielefelder, zur Pause in der Blitztabelle noch auf einem direkten Abstiegsplatz, drehten in der zweiten Hälfte auf und konnten fast nach Belieben Tore schießen. Die Berliner 1:0-Führung durch Linus Gechter (37. Minute) drehte Bielefelds Joel Grodowski durch einen Doppelpack binnen zehn Minuten (49./59.), ehe Monju Momuluh (65.), Stefano Russo (74.), Semir Telalovic (90+2.) und Roberts Uldrikis (90+6.) für die Arminia auf 6:1 erhöhten.
"Laufen die ganze Saison unseren Ansprüchen hinterher"
"So wollten wir uns nicht aus der Saison verabschieden", sagte Abwehrspieler Julian Eitschberger. "Das Feedback der Fans war angemessen." Eitschberger fand die zweite Halbzeit bezeichnend für die ganze Spielzeit der Herthaner. "Wir laufen schon die ganze Saison unseren Ansprüchen hinterher."
Auch Sportdirektor Benjamin Weber fand die zweite Hälfte symptomatisch für die Berliner Saison: "Es sind Dinge passiert, die sich durch die ganze Saison gezogen haben: Wir haben die Standards nicht gut verteidigt und haben Disziplin und Effektivität vermissen lassen." Diese Leistung, fürchtet Weber, wird nachhallen. "Man kann jetzt nicht einfach sagen: Da war nichts."
Fans skandieren "Leitl raus"
Trainer Stefan Leitl war nicht minder enttäuscht: "Wir hatten in der zweiten Halbzeit nicht mehr die nötige Energie; wir bekommen drei Standardgegentore, das musst du einfach besser verteidigen." Das Ergebnis sei "eine Packung, die sich sehr schlecht anfühlt. So darfst du dich nicht präsentieren." Dass die Fans nach dem Spiel sogar "Leitl raus" skandierten, fand der betroffene Trainer nachvollziehbar: "Das ist verständlich, wenn man sich so präsentiert."