Brandenburgs Gesundheitsministerin Britta Müller (parteilos) verteidigt die Krankschreibung am Telefon gegen Kritik durch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). "Sie ermöglicht eine ärztliche Einschätzung ohne unnötige Wege und entlastet die Arztpraxen insbesondere in Zeiten hoher Infektionszahlen", sagte die frühere BSW-Politikerin der "Märkischen Allgemeinen" (online/Dienstag, Print/Mittwoch).
Müller nannte noch mehr Gründe dafür. "Wir haben heute deutlich mehr ältere Beschäftigte, und wir sehen zugleich veränderte Krankheitsbilder", sagte sie. "Insbesondere psychische Erkrankungen nehmen zu und führen häufig zu erheblich längeren Arbeitsausfällen als andere Erkrankungen."
Merz kritisiert hohen Krankenstand
Der Kanzler hatte seine Kritik am hohen Krankenstand in Deutschland bekräftigt. "Eine der Ursachen ist sicherlich auch die leichte Krankschreibung durch telefonische Krankschreibungen", sagte Merz. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Regelungen zur telefonischen Krankschreibung nun überprüfen.
Die Brandenburger Gesundheitsministerin sieht keine automatische Gefahr eines Missbrauchs. "Entscheidend ist, dass die Patientinnen und Patienten dem behandelnden Arzt bekannt sind", sagte Müller. "Ob ein persönlicher Arztkontakt erforderlich ist, entscheidet letztlich stets die Ärztin oder der Arzt."