Geschichte
"Die Partei hat immer recht": Neue Ausstellung zur SED

Die neue Jahresausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt den Titel "Die Partei hat immer Recht". Fo
Die neue Jahresausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt den Titel "Die Partei hat immer Recht". Foto
© Stefan Kruse/dpa
Von der Schule bis zur Urlaubsreise: Die SED war im DDR-Alltag allgegenwärtig. Eine Ausstellung dokumentiert nun die Macht der Partei. Das soll auch Nostalgie entgegenwirken.

Die Bundesstiftung Aufarbeitung widmet sich in ihrer neuen Jahresausstellung dem Wirken der alles beherrschenden Einheitspartei SED in der DDR. Unter dem Titel "Die Partei hat immer recht" dokumentiert die Schau, wie nachhaltig die SED das Alltagsleben im Arbeiter- und Bauernstaat prägte. Der Titel ist an ein damals bekanntes Lied angelehnt. 

Die Ausstellung aus Schautafeln kann von Einrichtungen aller Art bei der Stiftung nahezu kostenfrei bestellt werden. Nach Angaben von Stiftungsdirektorin Anna Kaminsky liegen bereits rund 130 Vorbestellungen aus ganz Deutschland vor, etwa von Bibliotheken, Volkshochschulen, Rathäusern oder Schulen. "Das Thema trifft einen Nerv."

DDR-Nostalgie 

Der Historiker Stefan Wolle als Autor der Ausstellung sprach von einer "ganz großen Nostalgiewelle" im Hinblick auf die Erinnerung an die DDR-Zeit. Vieles werde zunehmend verklärt und beschönigt. Die Ausstellung mache dagegen deutlich: "Es gab keine heile Welt jenseits der Diktatur." 

Ob in Schule oder im Betrieb, bei Freizeitangeboten oder Urlaubsreisen, bei Personalentscheidungen oder Auszeichnungen: Die SED - genannt "die Partei" - sei immer involviert gewesen als eigentliches Machtzentrum. Sie habe mit zuletzt 2,3 Millionen Mitgliedern - etwa 15 Prozent der DDR-Bevölkerung - den gesamten Alltag durchdrungen. "Sie war das Knochengerüst der DDR, sie bestimmte das Leben in der DDR."

"Erinnerung keine Pflichtübung"  

Mit der Ausstellung will die Stiftung nach den Worten Kaminskys einerseits einen Beitrag leisten, um über Leben und Alltag in einer Diktatur zu informieren. Andererseits - und das sei nicht weniger wichtig - müssten daraus Lehren für die Gegenwart gezogen werden. 

"Wir halten die Erinnerung an die Vergangenheit nicht für eine Pflichtübung", betonte Kaminsky. "Und wir erleben, dass Erinnerung unter Druck steht." Sie konstatierte eine teilweise "Ermüdung", sich mit der DDR auseinanderzusetzen. Zudem beklagte sie Versuche der Desinformation. Seriöse Quellen zur DDR-Zeit würden infrage gestellt, vielfach würden einfache Antworten einer differenzierten Betrachtung vorgezogen.

dpa

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