Wofür steht Berlin und was will die Stadt? Nach Einschätzung der Stiftung Zukunft Berlin müssen diese Fragen dringend geklärt werden. Antworten soll ein sogenanntes Zukunftsbild liefern, das in einem "Impulspapier" näher erläutert wird. Den Text hat rund ein Dutzend Berliner Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft erarbeitet. Er soll ein "Weckruf" sein, wie die Stiftung mitteilte, und dazu beitragen, die Stadt wieder voranzubringen und zusammenzuführen.
"Ziel ist es, im Berliner Wahljahr eine grundlegende Debatte über Orientierung, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt anzustoßen", heißt es darin. Denn Berlin stehe sich selbst im Weg. "Unterschiedliche Problembereiche haben sich zugespitzt. Das führt dazu, dass die Gesamtsituation der Stadt aktuell von vielen als krisenhaft wahrgenommen wird."
Insbesondere wachsende Armut, fehlende Beteiligung großer Bevölkerungsgruppen und zunehmende Spannungen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur, Religion und sozialer Zugehörigkeit gehörten zu den Problemen.
Die Autorinnen und Autoren des "Impulspapiers" fordern unter anderem:
Freiheit verteidigen: "Heute wird Berlin gesucht als ein Ort, wo Freiheit gelebt werden kann", heißt es in dem Text. "Berlin muss dabei als international ausgerichtete, weltoffene Stadt sehr viel entschlossener als bisher speziell seine Ost-West-Erfahrung als eigenes Profil entwickeln." Nach dem Fall der Mauer habe Berlin eine hohe Ausstrahlungskraft bekommen, weil es viel Freiraum für Kreativität gegeben habe. Heute müsse die Stadt öffentliche Begegnungsräume neu herstellen.Vielfalt stärken: Berlins Vielfalt ist nach Einschätzung der Autoren durch wachsende Intoleranz, Abgrenzung und unversöhnliche Haltungen gefährdet. "Deshalb muss Berlin sein Versprechen erneuern, eine Stadt zu sein, in der jede und jeder im Respekt und mit Rücksicht auf andere die eigene Freiheit in Vielfalt leben und Kreativität entfalten kann." Das bedeute auch, für Menschen, die neu nach Berlin kommen, aktiv Wege in die Stadtgesellschaft hinein zu öffnen.Gemeinschaft leben: Berlin müsse seinen Wesenskern als Stadt des sozialen Zusammenhalts verteidigen und ihn neu stärken, wo er durch soziale oder ideologische Spaltung bedroht sei. In allen Politikfeldern muss nach Überzeugung der "Zukunftsbild"-Verfasser besser als bisher die Gemeinsamkeit mit dem Land Brandenburg mitgedacht und im Alltag umgesetzt werden. Eine positive Entwicklung Berlins sei nur gemeinsam in der Metropolregion denkbar.
Zu den Autoren des Konzeptpapiers gehören unter anderem der Hauptgeschäftsführer Handelsverband Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, die Vorsitzende DGB-Berlin-Brandenburg, Katja Karger, die Vorstandsvorsitzende des Caritasverbands in Berlin, Ulrike Kostka, der frühere Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, der ehemalige Intendant des Deutschen Theaters, Ulrich Khuon, und der Geschäftsführer der BR Volleys, Kaweh Niroomand.