Die erste Tarifrunde für die Chemie- und Pharmaindustrie im Norden bleibt ohne Ergebnis. Arbeitgeber und Gewerkschaft konnten sich am Dienstag in Hannover nicht verständigen, wie beide Seiten mitteilten. Verhandelt wird für rund 68.000 Beschäftigte in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen.
Die Arbeitgeber erneuerten ihre Forderung nach einer "tarifpolitischen Atempause". In der aktuellen Krise gehe es vor allem darum, Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Arbeitgeberverbands ChemieNord, Sarah Saeidy-Nory. Steigende Arbeitskosten verschärften die Krise.
"Nullrunde löst keine strukturellen Probleme"
Die Gewerkschaft IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie) fordert dagegen eine Lohnerhöhung, um die Kaufkraft zu stärken, und sieht weiter Nachholbedarf bei den Löhnen. "Eine Nullrunde löst keine strukturellen Probleme", sagte der Verhandlungsführer des Landesbezirks Nord, Ralf Becker. Auf eine konkrete prozentuale Forderung hat die IG BCE bundesweit verzichtet.
Die Tarifverhandlungen sollen am 3. Februar auf Bundesebene in Hannover fortgesetzt werden. Die aktuellen Tarifverträge laufen nach Angaben der Gewerkschaft Ende Februar aus.
Branche unter Druck
Die Chemieindustrie steht unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Die Lage sei "extrem angespannt", hatte Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne der Deutschen Presse-Agentur im Dezember gesagt. Die Produktionsauslastung liege derzeit bei rund 70 Prozent und sei damit wirtschaftlich nicht tragfähig. "So schlecht war die Situation in der Chemieindustrie schon lange nicht mehr."