Der frühere langjährige CDU-Bundesgeschäftsführer und Berliner Wissenschaftssenator Peter Radunski ist tot. Er starb im Alter von 86 Jahren zu Hause in Berlin, wie die Familie der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mitteilte. Weitere Details gab es zunächst nicht.
Radunski hat die CDU über Jahrzehnte hinweg mitgeprägt, in Bonn und in seiner Heimatstadt Berlin. Er galt als unabhängiger Kopf innerhalb der Partei und als Helmut Kohls geschickter Wahlkampfmanager, dem der CDU-Parteivorsitzende und spätere Bundeskanzler zahlreiche Erfolge zu verdanken hatte.
Wegner: "Berlin hat ihm viel zu verdanken"
"Berlin verliert mit Peter Radunski einen seiner klügsten Köpfe und einen leidenschaftlichen Gestalter unserer Stadt", teilte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) mit. "Als Senator für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie als Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur hat er Berlin in den wichtigen Jahren nach dem Mauerfall geprägt und die Weichen für die moderne Metropole gestellt, die wir heute sind."
Er sei weit mehr als ein Politiker gewesen. "Er war ein Vordenker der modernen politischen Kommunikation und ein Mann des klaren Wortes. Mit seinem Intellekt, seinem Charme und seinem unerschütterlichen Optimismus hat er Menschen für die Demokratie begeistert", würdigte ihn Wegner.
Besonders sein Einsatz für die Berliner Kultur bleibe unvergessen. "Er verstand es wie kaum ein anderer, die Vielfalt und die kreative Freiheit unserer Stadt zu gestalten und zu fördern. Berlin hat ihm viel zu verdanken."
Radunski wurde im März 1939 in Berlin geboren. Nach dem Abitur studierte er in Berlin und Bonn Jura, Geschichte, Romanistik und Politikwissenschaft. Das Studium schloss er 1967 am berühmten Otto-Suhr-Institut der Freien Universität ab, in einer Zeit, in der viele Gleichaltrige sich den Studentenprotesten anschlossen und gegen den Krieg in Vietnam protestierten.
Schon früh Mitglied in der CDU
Radunski war bereits zuvor Mitglied im Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) und 1965 der CDU geworden. Unter dem Parteivorsitz von Helmut Kohl übernahm er 1973 die Leitung der Hauptabteilung Öffentlichkeitsarbeit der CDU. Unter anderem managte er für die Partei die Bundestagswahlkämpfe 1976 und 1980 sowie den Europawahlkampf 1979.
Innerhalb der CDU, aber auch in den Augen der politischen Gegner galt er als Organisationstalent und moderner Wahlkampfstratege. Anregungen holte er sich bei Wahlkampfbesuchen in den USA, Frankreich und Großbritannien, setzte auf eine Imageverbesserung für die CDU und auf Mitgliederwerbung.
1981 ernannte ihn der damalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler zum CDU-Bundesgeschäftsführer, eine Aufgabe, die er für fast zehn Jahre übernahm.
Dabei war er erneut für das parteipolitische Management zahlreicher Wahlkämpfe verantwortlich, etwa bei den Bundestagswahlen 1983, 1987 und 1990, bei den Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern 1990 und bei den Europawahlen 1984 und 1989.
Als Multitalent Senator in Berlin
Auch in seiner Heimatstadt Berlin hatte sich sein politisches Geschick längst herumgesprochen. Nachdem die CDU 1990 die Wahlen zum Abgeordnetenhaus gewonnen und der SPD das Rote Rathaus wieder abgenommen hatte, machte ihn der neue Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) 1991 zunächst zum Senator für Bundes- und Europaangelegenheiten in der schwarz-roten Landesregierung.
In der nächsten Legislaturperiode übernahm Radunski als Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur Verantwortung für einen noch deutlich breiteren und wichtigeren Bereich und prägte nicht zuletzt die Berliner Kulturpolitik für Jahre mit.
Der CDU-Politiker verzichtete 1999 aus gesundheitlichen Gründen auf ein weiteres Amt im Senat. Als Mitglied des Abgeordnetenhauses bis 2001 blieb er der Berliner Landespolitik aber erhalten. Anschließend arbeitete er unter anderem als Wahlkampf- und Politikberater. Er erhielt 2009 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Radunski war verheiratet und Vater von zwei Söhnen.