Elbquerung
Aus für Freihafenelbbrücke - Langzeit-Planungen hinfällig

Auch die direkt hinter der Freihafenelbbrücke liegenden Bahnbrücken müssen durch Neubauten ersetzt werden. (Archivbild) Foto: Ch
Auch die direkt hinter der Freihafenelbbrücke liegenden Bahnbrücken müssen durch Neubauten ersetzt werden. (Archivbild) Foto
© Christian Charisius/dpa
Die Freihafenelbbrücke hatte eine vergleichsweise geringe Bedeutung für den Verkehr in Hamburg. Aber ihre Zerstörung durch eine Schiffskollision bringt auch die Pläne für andere Brücken durcheinander.

Die Suche nach einem Ersatz für die nicht reparierbare Freihafenelbbrücke bereitet den zuständigen Hamburger Behörden derzeit Kopfzerbrechen. Alle langfristigen Planungen für eine Instandsetzung seien jetzt obsolet, sagte der Sprecher der Wirtschaftsbehörde, Martin Helfrich. "Wie wir reagieren, überlegen wir gerade."

Am vergangenen 28. Oktober hatte ein Binnenmotorschiff die Brücke gerammt und das Bauwerk schwer beschädigt. Das Schiff hatte nach Angaben der Polizei Container geladen, die gegen die Brücke stießen. Nach ersten Ermittlungen schätzte der Kapitän die von Ebbe und Flut abhängige Durchfahrtshöhe falsch ein. Das Verfahren gegen den 35 Jahre alten deutschen Schiffsführer werde zurzeit noch in einer für Ordnungswidrigkeiten zuständigen Abteilung bearbeitet, erklärte eine Polizeisprecherin.

Abbau im Laufe des Jahres

Drei Monate nach der Havarie kam ein Prüfbericht zu dem Ergebnis, dass die Schäden am Bauwerk irreversibel sind. Es gebe keine technisch umsetzbare Alternative zur dauerhaften Sperrung und zum Rückbau, erklärte der Senat in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Antonia Goldner. Der Mittelteil der Brücke werde noch im Laufe dieses Jahres abgetragen, hatte Helfrich Ende Januar erklärt.

Nach seinen Worten ist es fraglich, ob die Stahlkonstruktion mit den markanten Bögen durch ein Behelfsbauwerk ersetzt werden kann. Klar sei nur, dass eine provisorische Brücke auch schwere Lastwagen aushalten müsste. Die vor 100 Jahren eröffnete Querung sei für den Verkehr auf die Insel Kleiner Grasbrook und zu den dahinterliegenden Hafenarealen wichtig. Sie müsste für circa 20.000 Fahrzeuge pro Tag ausgelegt sein, erklärte der Senat auf eine andere Kleine Anfrage des Linken-Abgeordneten Marco Hosemann.

Neue Brücken für Bahn und U-Bahn geplant

Eigentlich war vorgesehen, dass die Freihafenelbbrücke als Trasse als Umfahrung zur Verfügung steht, wenn die benachbarten Bahnbrücken neu gebaut werden. Das Projekt der Deutschen Bahn befindet sich nach Angaben des Senats seit Anfang dieses Jahres in der Entwurfs- und Genehmigungsplanung. Über die Bahnbrücken rollen täglich mehrere Hundert Züge. Geplant ist außerdem der Bau einer Brücke für die U-Bahnlinie U4. 

Im Jahr 2021 hatte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) angekündigt, es werde die Errichtung einer weiteren Eisenbahnbrücke über die Norderelbe geprüft. Ziel sei eine Kapazitätserweiterung der Strecke zwischen dem Hamburger Hauptbahnhof und Hamburg-Harburg.

Linke: Brücken sind denkmalgeschützte Wahrzeichen

Hosemann forderte, alle relevanten Informationen und Gutachten zu den Brücken zu veröffentlichen. "Die Elbbrücken sind mehr als ein Haufen Stahl. Sie sind ein Wahrzeichen und stehen aus geschichtlichen und städtebaulichen Gründen unter Denkmalschutz", erklärte der Abgeordnete. Ihr Erhalt sei im öffentlichen Interesse und müsse ergebnisoffen geprüft werden.

Mit Blick auf die Zukunft der Freihafenelbbrücke hieß es bereits vom Senat, ein vollständiger Ersatzneubau des gesamten Bauwerks sei nicht vorgesehen. Virtuell ist die Elbquerung bereits verschwunden - zumindest auf der Internetseite der Hafenbehörde HPA. Bei den Informationen zu den gesperrten Brücken erscheint sie gar nicht mehr. Wie es mit den Planungen zum Verkehrsknotenpunkt Elbbrücken weitergeht, will die Wirtschaftsbehörde voraussichtlich Ende Februar vorstellen.

Die Freihafenbrücke wurde nach Angaben von Hafen Hamburg Marketing am 31. März 1926 als Straßenbrücke mit daneben liegendem Gleis für die Hafenbahn eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg traf eine Bombe das Bauwerk. 2015 wurde eine denkmalgerechte Grundinstandsetzung geplant. Anfang 2022 prallte ein Baggerschiff bei sehr hohem Wasserstand infolge einer Sturmflut gegen die Brücke und beschädigte das Bauwerk. Die Reparatur dauerte damals vier Monate. Die Trasse der Hafenbahn ist seit längerem einsturzgefährdet, wie es auf einem Warnschild heißt.

dpa