Fußball-Bundesliga
Symbolfigur des HSV-Trends: Königsdörffer trotzt Zweiflern

Verdienter Lohn nach einem erfolgreichen Arbeitstag: HSV-Cheftrainer Merlin Polzin (l) gratuliert seinem Stürmer Ransford Königs
Verdienter Lohn nach einem erfolgreichen Arbeitstag: HSV-Cheftrainer Merlin Polzin (l) gratuliert seinem Stürmer Ransford Königsdörffer. Foto
© Christian Charisius/dpa
Mit seinem Doppelpack gegen Union Berlin wird HSV-Stürmer Ransford Königsdörffer zum Matchwinner. Er steht symbolhaft für den Aufschwung. Sein Trainer ist von seiner Entwicklung nicht überrascht.

Viel reden mochte Ransford Königsdörffer nach seinem ersten Doppelpack in der Fußball-Bundesliga nicht. Dabei hätte der Stürmer des Hamburger SV nach dem 3:2 gegen Union Berlin einiges zu erzählen gehabt. Über die lange Zeit seine Torlosigkeit, über die Kritik an ihm, über seine Entwicklung.

Stattdessen lenkte der 24-Jährige den Fokus von sich auf sein Team. "Ich glaube, unsere ganze Mannschaft ist im Flow", sagte er. "Ich habe gehört, wir sind jetzt seit fünf Spielen ungeschlagen – das ist auf jeden Fall super, daran können wir anknüpfen." 

HSV-Cheftrainer Polzin überzeugt von Königsdörffer  

Über seine Saisontore drei und vier meinte er lediglich: "Ich bin sehr froh darüber. So kann es weitergehen." Und in Richtung seines ehemaligen und nun aktuellen Berliner Cheftrainers Steffen Baumgart sagte er: "Tut mir für ihn leid, für uns umso besser."

Mehr war dem entscheidenden Mann des Spiels nicht zu entlocken. Also sprachen andere über ihn. "Es freut mich, dass er sich jetzt für seine harte Arbeit belohnt", sagte Cheftrainer Merlin Polzin. "Und nichtsdestotrotz ist es für mich einfach nur ein Ergebnis von diesem Prozess und weniger, als dass es mich völlig überrascht."

Lob gab es auch von seinem Sturmkollegen Robert Glatzel, der die Vorlage zu Königsdörffers Treffer zum 1:1 lieferte. "Er hat sich total entwickelt. Wenn ich gucke, wie die Anfänge bei uns waren und wie er jetzt spielt und heute Matchwinner in der Bundesliga ist, freut mich das natürlich für ihn", sagte er. "Persönlich waren das auch nicht so einfache Wochen für ihn. Von daher super für ihn und für die Mannschaft."

HSV stabilisiert sich  

Königsdörffer kann als Symbolfigur für die Entwicklung des HSV in dieser Saison genommen werden. Nach schwierigem Start haben sich die Hamburger in der ersten Spielzeit nach ihrer Rückkehr in die Bundesliga stabilisiert. Nach dem 22. Spieltag stehen die Chancen gut, die Klasse zu halten. Mit sechs Punkten Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz - bei einem Spiel weniger - rangiert der HSV derzeit in sicheren Tabellengefilden.    

Auch Königsdörffer musste sich dem Anschein nach an die Bundesliga gewöhnen. Seit 2022 ist er beim HSV. Er war maßgeblich am Aufstieg des Vereins beteiligt. Im Sommer vergangenen Jahres stand er kurz vor einem Wechsel zu OGC Nizza. Doch die Franzosen machten wegen angeblicher gesundheitlicher Bedenken einen Rückzieher. Königsdörffer blieb in Hamburg - und Cheftrainer Polzin setzte voll auf den gebürtigen Berliner und ghanaischen Nationalspieler. 

In allen Spielen dabei

In jedem der 21 bisherigen Bundesligaspiele des HSV stand er auf dem Platz - 17 Mal davon in der Startelf. Begleitet wurden seine Auftritte oft kritisch. Erst beim umjubelten 1:1 gegen Borussia Dortmund Anfang November traf er in der siebten Minute der Nachspielzeit erstmals in dieser Saison. In der Partie gegen den 1. FC Heidenheim (2:1) am 21. Spieltag folgte das zweite Tor, eine Woche später nun der Doppelschlag gegen Union Berlin.

Königsdörffer ist trotz des üppigen Angebots in der HSV-Offensive bei Polzin gesetzt. Seine Schnelligkeit ist für das Umschaltspiel bedeutsam. Von der Kritik bekomme er nicht alles mit, sagte Königsdörffer Anfang der Woche in einer Medienrunde. Er lese sich nicht alles durch. 

"Viele glauben bis heute nicht an mich. Ich hoffe, dass ich diese Meinung ändern und zeigen kann, was ich wirklich draufhabe", sagte er weiter. "Am Ende interessiert mich diese Kritik ehrlicherweise aber auch nicht. Ich spüre vielmehr das volle Vertrauen und die Rückendeckung von den Menschen, die mir wirklich nahestehen."

dpa