Geschäftszahlen
Handelskonzern Otto steigert Gewinn und baut Stellen ab

Scharner-Wolff ist seit März 2025 Otto-Vorstandsvorsitzende. (Archivbild.) Foto: Marcus Brandt/dpa
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Der Umsatz des Hamburger Konzerns ist zwar gefallen, doch der Online-Marktplatz otto.de behauptet sich - trotz zunehmender internationaler Konkurrenz.

Der verkleinerte Hamburger Handelskonzern Otto Group hat im jüngsten Geschäftsjahr den Gewinn nahezu verdoppelt. Der Umsatz hingegen entwickelte sich rückläufig, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Konzernchefin Petra Scharner-Wolff sprach angesichts der schwachen Verbraucherstimmung von einem trotz allem erfolgreichen Geschäftsjahr. 

Maßgeblich für den Umsatzrückgang war der Verkauf der Konzerntochter About You an Wettbewerber Zalando, der im Juli 2025 abgeschlossen wurde. Otto und Zalando sind in Deutschland die umsatzstärksten heimischen Onlinehändler. Eher schwach entwickelte sich zudem die Otto-Kleidungsmarke Bonprix, die unter der getrübten Konsumstimmung und zunehmendem Wettbewerb litt.

Der Umsatz ging um rund 7,4 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro zurück. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg von 276 auf 641 Millionen Euro. Nach Steuern verblieben 312 Millionen Euro. Das Geschäftsjahr der Otto Group schloss Ende Februar. Scharner-Wolff hatte im März vergangenen Jahres, also mit Beginn des Geschäftsjahres, die Konzernleitung übernommen. 

Scharner-Wolff erklärte den höheren Gewinn mit dem Wachstum der Plattform otto.de, dem Ergebnis des profitablen Finanzdienstleisters Eos und Kosteneinsparungen. Otto verdient im Plattformgeschäft ähnlich wie Amazon an Verkäufen und an Händlern, die die Plattform nutzen und Waren bewerben. Der von Verbraucherschützern kritisierte Finanzdienstleister Eos setzt international Forderungen durch. 

Mitarbeiterzahl des Otto-Konzerns ist deutlich gesunken

Beim Otto-Konzern ist nicht allein der Umsatz gesunken, auch die Zahl der Beschäftigten hat abgenommen. Rund 34.800 Mitarbeiter weist der Geschäftsbericht aus, was im Vergleich zum vorigen Geschäftsjahr einem Rückgang um ungefähr 1.500 Arbeitnehmer entspricht. Im Geschäftsjahr 2021/22, als der Betrieb während der Corona-Pandemie boomte, beschäftigte die familiengeführte Gruppe noch rund 43.200 Angestellte. 

Personalvorständin Katy Roewer sagte: „Wir haben in den letzten Jahren sehr umfangreiche Restrukturierungsprogramme gestartet und auch umgesetzt.“ Die Programme schlagen sich Roewer zufolge in der Mitarbeiterzahl nieder. Anspruch der Otto Group sei es, dass der Stellenabbau verantwortungsvoll umgesetzt werde, sagte sie. „Und daran lassen wir uns auch messen.“

Im Plattformgeschäft in Hamburg baut Otto bis Ende des Geschäftsjahres 2027/28 bis zu 460 Vollzeitstellen ab. Bei der Konzerntochter Hermes fallen in dem Zeitraum bis zu 850 Stellen weg. Der Hälfte sollen alternative Stellen angeboten werden. Weiter streicht der Konzern 229 Stellen beim Modeunternehmen Witt. Die Angestellten sollen in Altersteilzeit oder Frühverrentung wechseln und Aufhebungsangebote erhalten. 

Otto-Marktplatz behauptet sich gegen Wettbewerber

Am wichtigsten für den Konzernumsatz ist die Plattform otto.de, die rund ein Drittel am Gesamtumsatz ausmacht. Vergangenes Geschäftsjahr wuchs der Umsatz des Onlineshops laut Geschäftsbericht um acht Prozent auf 4,8 Milliarden Euro - und damit im Vergleich zur Branche voraussichtlich überdurchschnittlich. Zeitlich deckungsgleiche Branchenzahlen liegen allerdings nicht vor. 

„Wir haben es bei Otto geschafft, den Kunden mehr inspirierende, margenstärkere Produkte anzubieten“, sagte Scharner-Wolff. Höhere Margen erzielen üblicherweise Möbel und Textil-Eigenmarken, der Verkauf von Haushaltsgeräten ist hingegen weniger lukrativ. 

Experte: Hoher Preisdruck im deutschen Onlinehandel 

Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung Köln, sagte der Deutschen Presse-Agentur, derzeit herrsche im deutschen Onlinehandel ein hoher Preisdruck und die Konkurrenz unter den Unternehmen nehme zu. Das zeige sich auch an hohen Insolvenzzahlen. Größere Anbieter wie Otto könnten sich in dem Umfeld besser behaupten als kleine.

Eine Herausforderung sei, Sichtbarkeit im Internet zu erlangen. „Auch hier sind die großen Plattformen und etablierten Marken im Vorteil, da sie häufig direkt ohne vorherige Suchanfrage aufgesucht werden“, sagte Hudetz. 

Immer mehr Produktsuchen begännen über KI-Chatbots wie ChatGPT und Gemini statt über Google-Suchen, berichtete er. „Händler, die die richtigen, relevanten Daten ausspielen, haben zukünftig einen noch größeren Wettbewerbsvorteil.“ Eine weitere Entwicklung sei, dass soziale Plattformen wie TikTok und Instagram zunehmend Impulskäufe auslösten. 

Scharner-Wolff: „Wir erwarten keinen Rückenwind“

Den TikTok-Shop gibt es in Deutschland seit März 2025. Scharner-Wolff sagte der Deutschen Presse-Agentur zu dem Wettbewerber: „Wir sehen keine starke Beeinflussung unseres Geschäfts.“ Otto habe aber auf das neue Angebot reagiert - und etwa das Angebot auf der Plattform ausgeweitet. 

Im seit März andauernden Geschäftsjahr rechnet Scharner-Wolff mit einem stabilen Ergebnis. „Wir erwarten keinen Rückenwind“, sagte sie. In der Mitteilung des Konzerns ist von herausfordernden Rahmenbedingungen die Rede. Relevant sind etwa die US-Zollpolitik, die schwache Konsumstimmung und der zunehmende Wettbewerb im Onlinegeschäft aus Asien.

Otto konkurriert unter anderem mit chinesischstämmigen Unternehmen wie Temu und Shein, die schnell in Europa expandieren. Am Donnerstag wurde bekannt, dass die EU-Kommission gegen Temu eine Strafe von 200 Millionen Euro wegen illegaler Produkte verhängt hat.

dpa