Staatsoper Wenn Vampirinnen und ein Monster auf Trump treffen

In dem Stück kämpft ein Monster gegen einen Despoten. Foto: Tanja Dorendorf/Staatsoper Hamburg/dpa
In dem Stück kämpft ein Monster gegen einen Despoten. Foto
© Tanja Dorendorf/Staatsoper Hamburg/dpa
Intendant Tobias Kratzer fährt für die Inszenierung von "Monster's Paradise" von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek das große Bühnen-Besteck auf. Dafür gibt es viel Applaus in der Staatsoper.

Wie das künstliche Grün im Teletubbie-Land sieht die Welt aus. Mittendrin ein hässlicher Protz-Palast in grellem Gold. Darin ein fieser König-Präsident, der grausame Spiele mit aufmarschierenden Entertainern in Elvis- oder Hotdog-Kostümen spielt. Bariton Georg Nigl gibt furchtlos, orange geschminkt und Grimassen schneidend diese Parodie des US-Präsidenten Donald Trump

Am Sonntag erlebte die Polit-Groteske "Monster's Paradise" ihre Uraufführung in der Hamburgischen Staatsoper. Die Musik stammt von Olga Neuwirth, die gemeinsam mit der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek auch das Libretto verfasste. Tobias Kratzer, seit dieser Saison Intendant des Hauses, fährt für die Inszenierung das große Bühnen-Besteck auf. Mit Neonreklame, einem von ökologischen Fragen bewegten Seemonster und viel Video. Der Regisseur setzt dabei auf überzeichnende Elemente der Grand Guignol Opéra, eines französischen Horrortheaters aus dem 18. Jahrhundert.

Neuwirth und Jelinek als Vampir-Duo

In dem Musiktheater treten mit je einer Schauspielerin und einer Sängerin besetzte Avatare von Neuwirth und Jelinek als Vampir-Duo Vampi (Sylvie Rohrer, Sarah Defrise) und Bampi (Ruth Rosenfeld, Kristina Stanek) auf. Geschockt von den Bedrohungen durch den Klimawandel und den despotischen Herrscher, begeben sie sich für eine letzte Mahnung in die Welt. 

Sie landen am Präsidenten-Palast. Dort lehnt die Gattin des Königs-Präsidenten auf Abruf mit Breitrandhut am Cola-Automaten. Die Untertanen Mickey (Andrew Watts) und Tuckey (Eric Jurenas) geben hörige Staatsdiener. "Wer Milliarden hat, braucht keine Wähler", verkündet der Despot eine seiner einfachen, gefährlichen Wahrheiten. In der Gestalt von Muppet-Figuren versuchen die Vampirinnen vergeblich, ihn zu töten. Diese Szenen haben einiges an Schauwerten.

Charlotte Rampling tritt per Video auf

Auf einer utopischen Insel kommt es zur Begegnung des Königs-Präsidenten mit seinem Gegner, dem Seemonster Gorgonzilla (gesprochen von Anna Clementi und dargestellt von Vanessa Konzok). Später, als das Chaos aus Naturzerstörung und Kriegen weiter um sich greift, wird das Monster ihn besiegen und seinen Platz einnehmen. Doch damit ist die Welt nicht gerettet. Vampi und Bampi, herausragend gesungen und gespielt, irren weiter durch eine gottlose Welt, die sich kurzzeitig zu erholen scheint. Während Gorgonzilla sich auf einem Hochhaus im Spielzeugformat (Bühne und Kostüme: Rainer Sellmaier) ausruht, sprießt auf einmal frisches Grün. Ein Stoffhase hoppelt vorbei. Doch die britische Schauspiellegende Charlotte Rampling tritt per Video weiter als mahnende "The Goddess" auf. Tapsig sich verrenkende Zombies kriechen hervor.

Am Ende liegt der einzige Ausweg vielleicht in der Kunst

Die Revue rührt kraftvolle, manchmal auch etwas plakative Bilder mit viel Bühnenzauber zusammen. Der Stoff ist von zeitloser Aktualität, den der Text allerdings kaum in der Tiefe auslotet. In der herausfordernden Musik lösen sich wenig harmonische Klänge mit eher filmischen Melodien ab. Das Orchester-Instrumentarium ist um ein Drumkit und eine E-Gitarre verstärkt. Beharrlich dirigiert der musikalische Leiter Titus Engel das Philharmonische Staatsorchester Hamburg. Mehrere Chöre steuern hymnische Gesänge bei. 

Am Ende liegt der einzige Ausweg vielleicht in der Kunst. Nachdem gigantische Wassermassen - per Video - alles verschlungen haben, finden sich Vampi und Bampi an der Oberfläche des Ozeans wieder und spielen an einem verstimmten Flügel vierhändig Schubert.

dpa